Zum Inhalt springen
T1Leaders

Entscheidungen treffen · Vertiefung

Schwere Entscheidungen treffen: fünf Ursachen und was hilft

Warum sich manche Entscheidungen so schwer anfühlen, woran du die Ursache erkennst und welches Gegenmittel zu welcher Art von Schwere passt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

Dr. Katrin Wolf führt seit 19 Jahren eine Tierarztpraxis mit sieben Beschäftigten. Eine Praxiskette bietet ihr an, die Praxis zu kaufen. Sie könnte als angestellte Tierärztin bleiben, ohne Abrechnung und Personalsorgen. Das Angebot ist gut. Trotzdem liegt es seit Wochen unbeantwortet auf ihrem Tisch. Was genau macht diese Entscheidung so schwer?

Beispiel frei erfunden.

Woran erkennst du, warum es dir schwerfällt?

Du erkennst die Ursache an der Frage, die dich nachts beschäftigt. Kreisen deine Gedanken um Geld und Folgen, wiegt die Tragweite. Kreisen sie um „Was, wenn ich es bereue?“, wiegt die Unumkehrbarkeit. Fragst du dich, wer du sein willst, stehen Werte gegeneinander.

Ein Bild aus dem Alltag: Zwei Menschen zögern vor demselben Umzug in eine andere Stadt. Die eine sorgt sich um die höhere Miete. Der andere hängt an seinen Freunden. Beide nennen die Entscheidung schwer und brauchen doch verschiedene Hilfe.

Bei Katrin zeigt ein Gespräch mit ihrer Schwester die Ursache. Das Geld ist kein Problem, die Kette zahlt fair. Schwer wird es bei zwei Fragen. Was wird aus ihrem Team, wenn die Kette Abläufe vorgibt? Und will sie Unternehmerin bleiben oder Tierärztin ohne Nebenlasten sein? Hier stehen Verantwortung und Werte im Mittelpunkt.

Eine einfache Übung hilft: Schreibe den Satz „Diese Entscheidung ist schwer, weil …“ fünfmal hintereinander und ergänze ihn jedes Mal anders. Lies danach, welcher Satz dich am stärksten trifft. Er zeigt dir oft die Art von Schwere, die du zuerst angehen solltest.

MerksatzBenenne den schwersten Stein, bevor du den ganzen Rucksack trägst.

Welche fünf Arten von Schwere gibt es?

Die fünf Arten von Schwere können in beruflichen und privaten Entscheidungen auftreten. Oft wirken zwei oder drei zusammen. Die Tabelle hilft, die stärkste zu finden.

Fünf Arten von Schwere

Art der SchwereWoran du sie erkennstGegenmittel
TragweiteEs geht um viel Geld, Gesundheit oder die Zukunft vieler Menschen.Folgen in Stufen zerlegen und den schlimmsten realistischen Fall absichern
UnumkehrbarkeitNach der Entscheidung gibt es kaum einen Weg zurück.Prüfen, welche Teile umkehrbar sind, und diese zuerst testen
WerteBeide Optionen sind gut, aber sie stehen für Verschiedenes, das dir wichtig ist.Entscheiden, welcher Mensch du sein willst
ZeitDie Frist ist zu kurz für die Fragen, die du klären willst.Die eine Frage wählen, die bis zur Frist geklärt werden kann
VerantwortungDie Folgen treffen andere Menschen stärker als dich.Betroffene früh einbeziehen und die Abwägung offenlegen

Kreuze in der Tabelle die Zeilen an, die auf deine Entscheidung passen, und beginne mit dem Gegenmittel der stärksten Zeile.

Jede Art von Schwere hat ihr eigenes Gegenmittel.

Arbeitsmodell von T1Leaders.

Katrin markiert Werte und Verantwortung. Tragweite und Zeit spielen kaum eine Rolle, die Kette hat ihr drei Monate Bedenkzeit gegeben. Damit weiß sie, wo sie ansetzen muss.

MerksatzZwei markierte Zeilen sind eine Arbeitsliste. Fünf markierte Zeilen sind ein Zeichen, die Frage kleiner zu schneiden.

Was hilft, wenn Werte gegeneinander stehen?

Wenn Werte gegeneinander stehen, hilft oft keine weitere Analyse. Die Philosophin Ruth Chang hat eine Erklärung dafür vorgeschlagen. Manche Optionen seien „gleichrangig“: vergleichbar, aber keine ist besser, und gleich gut sind sie auch nicht. Dann entscheidet keine Rechnung, und du wählst, wofür du stehen willst.

Für Katrin heißt das: Sie hört auf, nach der objektiv besseren Option zu suchen. Sie fragt sich, ob sie die Unternehmerin bleiben will, die ihr Team selbst führt, oder die Tierärztin, die mehr Zeit für die Tiere hat. Abstand zur eigenen Lage hilft bei dieser Frage, siehe Emotionale Distanz.

Ein zweiter Weg: Frage dich, welche Option du einer guten Freundin in deiner Lage raten würdest. Die Antwort zeigt oft, welcher Wert dir in Wahrheit wichtiger ist.

Was hilft bei großer Tragweite oder ohne Weg zurück?

Bei großer Tragweite hilft es, die Entscheidung in Stufen zu zerlegen. Ohne Weg zurück hilft es, die umkehrbaren Teile zu finden und sie zuerst zu prüfen. Jeff Bezos unterschied in seinem Aktionärsbrief für 2015 zwei Arten von Entscheidungen. Die einen sind wie Türen, durch die man nur in eine Richtung geht. Diese sollten langsam und mit viel Beratung fallen. Die meisten seien aber wie Türen, durch die man zurückgehen kann, und sollten schnell fallen.

Wer überlegt, einen Hund zu holen, kann erst eine Woche lang den Hund der Nachbarn betreuen. Danach ist die Entscheidung besser begründet.

Katrin findet Teile, die sie vorher prüfen und absichern kann. Sie vereinbart mit der Kette ein Gespräch mit zwei Tierärztinnen, die ihre Praxen vor zwei Jahren verkauft haben. Außerdem verhandelt sie eine Klausel, die ihrem Team die Arbeitsverträge für zwei Jahre sichert. Damit wird ein Teil der Verantwortung kleiner. Wie du umkehrbare und endgültige Entscheidungen auseinanderhältst, zeigt die Seite Umkehrbar oder endgültig?.

Dazu gehört die Trennung von Entscheidung und Ergebnis. Auch eine gut begründete Wahl kann schlecht ausgehen. Das macht sie nicht nachträglich falsch, siehe Gute Entscheidung oder gutes Ergebnis?.

MerksatzSuche in jeder großen Entscheidung den kleinen Teil, den du vorher ausprobieren kannst.

Gegenmittel

So gehst du eine schwere Entscheidung an

  1. Die Schwere benennen: Welche der fünf Arten wiegt am stärksten? Schreibe sie auf.
  2. Das passende Gegenmittel wählen: aus der Tabelle oben, höchstens zwei gleichzeitig.
  3. Den umkehrbaren Teil suchen: Was lässt sich vorher testen, ausleihen oder befristen?
  4. Betroffene einbeziehen, wenn die Folgen andere stärker treffen als dich.
  5. Eine Frist setzen: Bis wann entscheidest du, und woran merkst du, dass du bereit bist? Fragen für die Klärung bietet die Seite Entscheidungshilfe.

Katrin entscheidet nach zehn Wochen. Sie verkauft, mit der Jobgarantie für ihr Team und einer Probezeit von einem Jahr für sich selbst. Sie kennt ihre Gründe für diese Wahl und kann sie später fair prüfen.

Situationsfrage

  1. Ein Abteilungsleiter soll entscheiden, ob er einen langjährigen Mitarbeiter in ein anderes Team versetzt. Die Versetzung wäre fachlich sinnvoll, der Mitarbeiter hängt aber sehr an seinem Team. Rückgängig machen ließe sich die Versetzung nach einem halben Jahr. Welche Art von Schwere steht hier im Vordergrund?

    1. AUnumkehrbarkeit, deshalb sehr langsam entscheiden.
    2. BVerantwortung für einen anderen Menschen, deshalb den Mitarbeiter früh einbeziehen und die Abwägung offenlegen.
    3. CZeitdruck, deshalb sofort entscheiden.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Die Versetzung lässt sich korrigieren, also passt Antwort A nicht. Von Zeitdruck ist keine Rede. Schwer ist die Entscheidung, weil sie einen anderen Menschen stark trifft. Ein frühes Gespräch nimmt einen Teil dieser Schwere.

Häufige Fragen

Warum fallen mir Entscheidungen so schwer?

Oft liegt es an einer bestimmten Ursache: Die Folgen sind groß, es gibt keinen Weg zurück, Werte stehen gegeneinander, die Zeit ist knapp oder andere Menschen sind betroffen. Wenn dir auch kleine Alltagsentscheidungen über lange Zeit schwerfallen, lies weiter unter Ich kann mich nicht entscheiden.

Soll ich bei schweren Entscheidungen auf mein Bauchgefühl hören?

Das Bauchgefühl ist ein Hinweis, besonders bei Wertefragen. Es zeigt, was dir wichtig ist. Bei Fragen mit Zahlen und Folgen solltest du es mit einer nüchternen Prüfung abgleichen.

Ist eine schwere Entscheidung dasselbe wie eine wichtige?

Nicht immer. Manche wichtige Entscheidung fällt leicht, weil eine Option klar besser ist. Umgekehrt fühlt sich manche kleine Entscheidung schwer an, weil zwei Werte gegeneinander stehen. Die Tabelle auf dieser Seite hilft, beides auseinanderzuhalten.

Wie lange darf eine schwere Entscheidung dauern?

So lange, wie neue Erkenntnisse kommen. Bringt das Nachdenken nichts Neues mehr, ist es Zeit zu entscheiden. Eine feste Frist hilft, diesen Punkt nicht zu verpassen.

Quellen

  1. Chang, R. (2017). Hard choices. Journal of the American Philosophical Association, 3(1), 1-21. Cambridge Core
  2. Bezos, J. (2016). 2015 Letter to Shareholders, Amazon.com. SEC

Vormerkliste

Neues zuerst erfahren

Trag dich ein, dann erfährst du zuerst, wenn es im Themenfeld „Entscheidungen treffen“ Neues gibt und wann das Training für Führungsteams buchbar ist. Wir schreiben nur, wenn es etwas Neues gibt.