Zum Inhalt springen
T1Leaders

Entscheidungen treffen · Vertiefung

Gute Entscheidung, schlechtes Ergebnis? Richtig bewerten

Warum ein schlechtes Ergebnis keine schlechte Entscheidung beweist, und woran du die Qualität einer Entscheidung tatsächlich erkennst.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

In 43 Sekunden erklärt

Outcome Bias: Es ging gut. Also war die Entscheidung gut?
Was im Video gesagt wird

Es ging gut. Also war die Entscheidung gut?

Outcome Bias: Ergebnis ist nicht Qualität. Glück und Pech spielen mit.

Fall 1 / 2: Gutes Ergebnis, schwache Entscheidung. Vielleicht nur Glück.

Fall 2 / 2: Gute Entscheidung, schlechtes Ergebnis. Vielleicht nur Pech.

Was hilft: Bewerte den Prozess. Welche Infos lagen vor? Was war absehbar?

Die Regel: Urteile über die Entscheidung. Nicht nur über den Ausgang.

Weiterlesen: Outcome Bias: Entscheidungen fair bewerten.

T1Leaders. Wissen für Entscheidungen mit Folgen.

Die Leiterin einer Segelschule am Bodensee sagt einen Wochenendkurs mit 24 Teilnehmenden ab. Der Wetterdienst hat für Samstag eine Sturmwarnung ausgegeben. Am Samstag bleibt der Sturm aus, der See liegt ruhig in der Sonne. Die Schule verliert Einnahmen, drei Kunden beschweren sich. Hat die Leiterin falsch entschieden?

Beispiel frei erfunden.

Warum beweist das Ergebnis allein nichts?

Das Ergebnis beweist allein nichts, weil zwischen Entscheidung und Ergebnis der Zufall steht. Wer unter Unsicherheit entscheidet, wählt eine Wette mit besseren oder schlechteren Chancen. Ob die Wette aufgeht, zeigt sich erst später.

Ein Bild aus dem Alltag: Wer betrunken nach Hause fährt und heil ankommt, hat trotzdem schlecht entschieden. Wer nüchtern fährt und von einem anderen Auto gerammt wird, hat trotzdem gut entschieden.

Trotzdem urteilen Menschen gern nach dem Ergebnis. Jonathan Baron und John Hershey zeigten 1988, dass Studierende dieselbe Entscheidung besser bewerteten, wenn sie gut ausgegangen war. Das galt auch dann, wenn sie selbst sagten, das Ergebnis solle keine Rolle spielen.

Für die Segelschule heißt das: Die Leiterin hatte eine amtliche Warnung, 24 Menschen auf dem Wasser und keine Möglichkeit, das Wetter genauer vorherzusagen. Die Absage war gut begründet. Das Ergebnis war ärgerlich. Beides gleichzeitig ist möglich.

MerksatzWie gut eine Entscheidung war, misst du am Vorgehen zum Zeitpunkt der Wahl.

Wie sieht das Vier-Felder-Modell aus?

Das Vier-Felder-Modell kreuzt die Qualität der Entscheidung mit dem Ergebnis. So entstehen vier Fälle. Zwei davon sind leicht zu verstehen. Die anderen beiden führen leicht zu falschen Lehren.

Vier-Felder-Modell

Entscheidung und ErgebnisFallLehre
gute Entscheidung, gutes ErgebnisBäckerei stellt nach Testwoche auf Vorbestellung um, Abfall sinktverdienter Erfolg, Vorgehen beibehalten
gute Entscheidung, schlechtes ErgebnisSegelschule sagt bei Sturmwarnung ab, Sturm bleibt ausPech, Vorgehen trotzdem beibehalten
schwache Entscheidung, gutes ErgebnisHändler bestellt ohne Prüfung doppelt so viel Ware, Nachfrage steigt zufälligGlück, Vorgehen trotzdem ändern
schwache Entscheidung, schlechtes ErgebnisFirma stellt ohne Gespräch mit Referenzen ein, Fehlbesetzungverdienter Misserfolg, Vorgehen ändern

Ordne deine Entscheidung einem der vier Felder zu und lies die Lehre.

Gefährlich sind die Felder, in denen Entscheidung und Ergebnis auseinanderfallen.

Fälle frei erfunden zur Veranschaulichung.

Besonders tückisch ist das Feld „schwache Entscheidung, gutes Ergebnis“. Wer hier Glück hatte, lernt die falsche Lehre und wiederholt das schwache Vorgehen. Beim nächsten Mal fehlt vielleicht das Glück.

BegriffWas er beschreibtVerhältnis zur Entscheidungsqualität
EntscheidungsqualitätWie gut die Wahl zum Zeitpunkt der Entscheidung begründet war.der Begriff, um den es auf dieser Seite geht
ErgebnisWas nach der Entscheidung tatsächlich eintritt.hängt von der Entscheidung und vom Zufall ab
Outcome BiasDie Neigung, Entscheidungen nach dem Ergebnis zu bewerten.der typische Fehler bei der Bewertung
RückschaufehlerDie Neigung, nach dem Ergebnis zu glauben, man habe es kommen sehen.verzerrt die Erinnerung an das, was damals bekannt war

Wie das Ergebnis die Erinnerung verändert, zeigt Rückschaufehler. Den Fehler bei der Bewertung erklärt Outcome Bias.

MerksatzZiehe deine Lehren aus dem Vorgehen.

Woran erkennst du einen guten Entscheidungsprozess?

Einen guten Entscheidungsprozess erkennst du an sechs Anforderungen, die Spetzler, Winter und Meyer 2016 beschrieben haben. Jede lässt sich mit einer Frage prüfen. Die Fragen unten sind eine Übertragung von T1Leaders.

  1. Passender Rahmen: Ist klar, welche Frage entschieden wird und welche nicht?
  2. Kreative Optionen: Wurden mehr als zwei echte Optionen geprüft?
  3. Verlässliche Informationen: Beruhen die tragenden Annahmen auf geprüften Daten?
  4. Klare Werte und Abwägungen: Ist bekannt, was wichtiger ist, wenn Ziele gegeneinander stehen?
  5. Schlüssige Begründung: Lässt sich die Wahl aus den Informationen und Werten nachvollziehen?
  6. Bereitschaft zur Umsetzung: Stehen die Beteiligten hinter der Entscheidung und setzen sie um?

Die Segelschule erfüllt die meisten Punkte. Die Frage war klar: Kurs am Samstag ja oder nein. Es gab Optionen: absagen, durchführen oder einen Kurs an Land anbieten. Die Information war amtlich. Die Abwägung war eindeutig, Sicherheit vor Umsatz. Nur eine Option fehlte: Die Leiterin hätte den Kurs auf Sonntag verschieben können. Diesen Punkt nimmt sie mit.

Ein schlechtes Ergebnis ist trotzdem ein guter Anlass für diese Prüfung. Wenn mehrere Entscheidungen hintereinander schlecht ausgehen, liegt es womöglich nicht nur am Zufall. Wie du ein schlechtes Ergebnis fair untersuchst, zeigt die Seite Fehlentscheidungen verstehen.

MerksatzSechs Fragen an das Vorgehen zeigen, wie gut eine Entscheidung war.

Wie ordnest du Glück und Pech richtig ein?

Glück und Pech ordnest du ein, indem du vor der Entscheidung festhältst, womit du rechnest. Wer vorher schreibt „Solche Sturmwarnungen treffen nach meiner Erfahrung in sieben von zehn Fällen zu“, kann später nüchtern sagen: Diesmal traf sie nicht zu, das war im Rahmen. Ohne diese Notiz erscheint jedes Ergebnis im Rückblick vorhersehbar.

Hilfreich ist auch der Blick auf viele Entscheidungen. Eine einzelne Absage sagt wenig. Sagt die Segelschule aber über zwei Jahre bei jeder Warnung ab und behält in acht von zehn Fällen recht, zeigt sich die Qualität ihrer Regel. Ein Ergebnis ist ein Einzelfall, ein Muster ist eine Auskunft.

Schließlich: Sei bei anderen so fair wie bei dir selbst. Wer die eigene Pechsträhne mit dem Zufall erklärt, die Fehler anderer aber mit schlechtem Urteil, misst mit zwei Maßstäben. Das schadet dem Vertrauen im Team.

Bei der Segelschule führt die Leiterin deshalb eine einfache Liste. Zu jeder Wetterwarnung notiert sie vorab, ob sie absagt und warum. Nach jeder Saison schaut sie nach, wie oft die Warnung zutraf.

Gegenmittel

So bewertest du eine Entscheidung fair

  1. Ergebnis kurz beiseitelegen: Beschreibe zuerst die Lage, wie sie damals war.
  2. Die sechs Fragen durchgehen und jede mit ja, teilweise oder nein beantworten.
  3. Das Feld bestimmen: Welche der vier Kombinationen liegt vor?
  4. Die Lehre aus dem Vorgehen ziehen, mit dem Ergebnis als Anlass.
  5. Für die Zukunft festhalten: Erwartungen vor der nächsten Entscheidung aufschreiben, etwa im Entscheidungsjournal.

Situationsfrage

  1. Ein Vertriebsleiter senkt ohne Rücksprache und ohne Prüfung der Marge alle Preise um zehn Prozent. Zufällig fällt im selben Monat ein großer Konkurrent aus, und der Umsatz steigt stark. Der Vorstand lobt ihn. Welche Lehre ist richtig?

    1. ADie Preissenkung war richtig, das Ergebnis beweist es.
    2. BDas Ergebnis war gut, die Entscheidung schwach. Das Vorgehen sollte sich ändern, bevor das Glück ausbleibt.
    3. CPreissenkungen sind grundsätzlich falsch.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A urteilt nur nach dem Ergebnis. Antwort C zieht eine zu allgemeine Lehre. Antwort B erkennt das Feld „schwache Entscheidung, gutes Ergebnis“ und setzt am Vorgehen an.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Entscheidung?

Eine gute Entscheidung ist gut begründet: Das Ziel ist klar, mehrere Optionen wurden geprüft, die Informationen sind verlässlich, und die Abwägung ist nachvollziehbar. Ob sie gut ausgeht, hängt zusätzlich vom Zufall ab.

Gibt es die richtige Entscheidung?

Selten im Voraus. Unter Unsicherheit gibt es gut und schlecht begründete Entscheidungen. Welche Option am Ende die bessere war, weiß man oft erst später, manchmal nie.

Wie triffst du richtige Entscheidungen?

Indem du am Vorgehen arbeitest: die Frage klären, mehr als zwei Optionen entwickeln, verlässliche Informationen suchen, Werte offenlegen und die Wahl begründen. Den ganzen Ablauf zeigt Entscheidungen treffen.

Quellen

  1. Baron, J. und Hershey, J. C. (1988). Outcome bias in decision evaluation. Journal of Personality and Social Psychology, 54(4), 569-579. PDF Universität Florida
  2. Spetzler, C., Winter, H. und Meyer, J. (2016). Decision Quality: Value Creation from Better Business Decisions. Wiley. Inhaltsverzeichnis: O’Reilly

Vormerkliste

Neues zuerst erfahren

Trag dich ein, dann erfährst du zuerst, wenn es im Themenfeld „Entscheidungen treffen“ Neues gibt und wann das Training für Führungsteams buchbar ist. Wir schreiben nur, wenn es etwas Neues gibt.