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Resilienz · Vertiefung

Selbstwirksamkeit: vier Quellen und Übungen

Was Selbstwirksamkeit bedeutet, aus welchen vier Quellen sie sich speist, was sie mit Entscheidungen zu tun hat und wie du jede Quelle mit einer Übung stärkst.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Leonie hat vor drei Monaten ihre Meisterprüfung als Schreinerin bestanden und leitet jetzt die Werkstatt eines Betriebs mit acht Leuten. Fachlich ist sie sicher. Doch wenn sie über Aufträge, Arbeitsverteilung oder Konflikte entscheiden soll, zögert sie. Zwei Gesellen sind älter als sie. Sie fragt sich, ob sie dieser Rolle gewachsen ist. Und wie das Gefühl, es zu können, wachsen kann.

Beispiel frei erfunden.

Aus welchen Quellen speist sich Selbstwirksamkeit?

Bandura beschrieb 1977 vier Quellen. Die stärkste sind eigene Erfolgserlebnisse. Danach folgen stellvertretende Erfahrungen, also das Beobachten anderer, die eine Aufgabe meistern. Hinzu kommen Ermutigung durch andere und der eigene körperliche und emotionale Zustand.

Vier Quellen, vier Übungen

Quelle nach BanduraWas sie bedeutetÜbung
Eigene Erfolgserlebnisseeine Aufgabe selbst bewältigeneine schwierige Aufgabe in kleine Schritte teilen und den ersten Schritt diese Woche gehen
Stellvertretende Erfahrungsehen, wie jemand Ähnliches schaffteine erfahrene Kollegin bei einer Aufgabe begleiten, die dir noch schwerfällt
Verbale ErmutigungZuspruch von glaubwürdigen Menscheneine Person bitten, dir ehrlich zu sagen, was sie dir zutraut
Körperlicher und emotionaler ZustandAnspannung als Zeichen deutenvor einer schwierigen Aufgabe Herzklopfen als Zeichen von Bereitschaft benennen

Lies die Tabelle und wähl eine Übung für die nächste Woche.

Fang bei der stärksten Quelle an: kleinen, sichtbaren Erfolgen.

Quellen nach Bandura (1977). Übungen von T1Leaders, nicht einzeln geprüft.

Leonie wählt die erste Übung. Sie übernimmt zunächst die Planung für einen einzelnen Auftrag, die gesamte Arbeitsverteilung kommt später. Er gelingt. Beim zweiten Auftrag zögert sie schon weniger.

Auch die zweite Quelle hilft ihr. Ihr früherer Meister, inzwischen im Ruhestand, erzählt ihr, wie unsicher er selbst in den ersten Monaten war. Dass jemand, den sie bewundert, ähnliche Zweifel hatte, macht ihr Mut.

Die dritte und vierte Quelle wirken schwächer und sind leicht zugänglich. Ermutigung hilft, wenn sie von jemandem kommt, dessen Urteil du ernst nimmst, und wenn sie konkret ist. Ein Satz wie „Deine Planung für den Küchenauftrag war sauber durchdacht“ gibt etwas Konkretes in die Hand. Beim körperlichen Zustand geht es um Deutung. Herzklopfen vor einem schwierigen Gespräch kann Angst sein oder Bereitschaft. Wer es als Bereitschaft benennt, kann sich handlungsfähiger fühlen.

Was hat Selbstwirksamkeit mit Entscheidungen zu tun?

Selbstwirksamkeit beeinflusst, ob du eine Entscheidung überhaupt angehst. Wer sich eine Aufgabe zutraut, beginnt eher, bleibt länger dran und erholt sich schneller von Rückschlägen. Wer an seiner Wirksamkeit zweifelt, schiebt Entscheidungen eher auf oder überlässt sie anderen.

Für Leonie heißt das: Sie kann anfangen, bevor sie sich sicher fühlt. Kleine Entscheidungen mit gutem Ausgang bauen das Vertrauen auf, das sie für größere braucht. Wie Angst Entscheidungen blockiert, erklärt Entscheidungsangst. Wie du entscheidungsfreudiger wirst, zeigt Entscheidungsfreudig werden.

Wie hängen Selbstwirksamkeit und Resilienz zusammen?

Selbstwirksamkeit gehört zu den häufig genannten Schutzfaktoren der Resilienz. Wer erlebt, dass eigenes Handeln etwas verändert, gibt in schweren Zeiten seltener auf. In der Kauai-Studie von Emmy Werner zählten Fähigkeiten und Aufgaben, die Kindern Erfolgserlebnisse verschafften, zu den schützenden Bedingungen.

BegriffWas er beschreibtVerhältnis zu Selbstwirksamkeit
SelbstwirksamkeitVertrauen, eine bestimmte Aufgabe zu bewältigender Begriff, um den es auf dieser Seite geht
Selbstwertgefühlallgemeine Bewertung des eigenen Wertsbreiter, unabhängig von einer bestimmten Aufgabe
Selbstvertrauenallgemeines Zutrauen in sich selbstAlltagsbegriff, oft ähnlich gemeint, weniger präzise
Optimismusallgemeine Erwartung, dass es gut ausgehtbezieht sich auf Ereignisse, weniger auf eigenes Können
Mentale StärkeUmgang mit Schwierigkeiten und DruckZuversicht ist eine Komponente, eng verwandt

Leonie merkt das im Alltag. Als ein wichtiger Kunde kurzfristig einen Auftrag storniert, gerät der Wochenplan durcheinander. Vor drei Monaten hätte sie den Inhaber gefragt, was zu tun ist. Jetzt erinnert sie sich an die beiden Aufträge, die sie schon gut geplant hat. Sie verteilt die Arbeit neu und informiert das Team. Das Vertrauen aus den ersten Erfolgen trägt sie durch die Störung.

Welche weiteren Schutzfaktoren die Forschung kennt, erklärt Resilienzfaktoren. Wie Zuversicht und Umgang mit Druck zusammenspielen, zeigt Mentale Stärke aufbauen.

MerksatzSelbstwirksamkeit ist aufgabenbezogen. Du kannst sie für jede Aufgabe einzeln stärken.

Gegenmittel

So stärkst du Selbstwirksamkeit

  1. Große Aufgaben in kleine Schritte teilen und mit dem ersten beginnen.
  2. Erfolge festhalten: wöchentlich notieren, was gelungen ist.
  3. Vorbilder suchen: Menschen beobachten, die Ähnliches geschafft haben, idealerweise mit ähnlichem Hintergrund.
  4. Ehrliche Ermutigung einholen von Menschen, deren Urteil du vertraust.
  5. Anspannung neu deuten: Herzklopfen vor einer Aufgabe als Zeichen von Bereitschaft benennen.

Als Führungskraft kannst du die Selbstwirksamkeit anderer stärken. Gib Aufgaben, die fordern und machbar sind. Nenn konkrete Fortschritte. Erzähl ruhig von eigenen Anfängen. Leonie macht das mit dem jüngsten Lehrling: Er bekommt ein eigenes kleines Möbelstück von der Planung bis zur Montage. Sie schaut zu, greift nur bei Fragen ein und lobt am Ende konkret, was gelungen ist.

Situationsfrage

  1. Ein neuer Teamleiter traut sich nicht zu, Konfliktgespräche zu führen. Welcher Weg stärkt seine Selbstwirksamkeit nach Bandura am wirksamsten?

    1. AIhm mehrfach sagen, dass er das bestimmt kann.
    2. BMit einem kleineren, gut vorbereiteten Gespräch beginnen, es gemeinsam nachbesprechen und dann schrittweise schwierigere Gespräche führen.
    3. CIhm ein Buch über Gesprächsführung geben und abwarten.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Eigene Erfolgserlebnisse sind die stärkste Quelle. Antwort A nutzt nur Ermutigung, die schwächer wirkt. Antwort C bringt Wissen, aber noch keine Erfahrung. Antwort B schafft einen machbaren ersten Erfolg und baut darauf auf.

Testfragen

Wie steht es um deine Selbstwirksamkeit?

Denk an eine Aufgabe, die dir gerade schwerfällt. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Bei jedem Nein zeigt dir die Übung einen Ansatz.

  1. Ich habe eine ähnliche Aufgabe schon einmal bewältigt.

    Antwort

    Ansatz: einen kleinen ersten Schritt wählen, der sicher gelingt.

  2. Ich kenne jemanden, der Ähnliches geschafft hat.

    Antwort

    Ansatz: eine solche Person suchen und fragen, wie sie vorgegangen ist.

  3. Jemand, dem ich vertraue, traut mir die Aufgabe zu.

    Antwort

    Ansatz: eine Person direkt fragen.

  4. Anspannung vor der Aufgabe deute ich als Bereitschaft.

    Antwort

    Ansatz: das Herzklopfen bewusst benennen.

  5. Ich halte fest, was mir bereits gelungen ist.

    Antwort

    Ansatz: freitags drei Erfolge notieren.

Reflexionswerkzeug, kein wissenschaftlich validierter Test. Deine Antworten werden nicht gespeichert.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl?

Selbstwirksamkeit bezieht sich auf das Zutrauen, eine bestimmte Aufgabe zu bewältigen. Selbstwertgefühl beschreibt die allgemeine Bewertung des eigenen Werts als Mensch.

Wie hängen Resilienz und Selbstwirksamkeit zusammen?

Selbstwirksamkeit gilt als einer der Schutzfaktoren, die gesundes Bewältigen von Belastung wahrscheinlicher machen. Wer erlebt, dass eigenes Handeln etwas bewirkt, gibt in schweren Zeiten seltener auf.

Kann man Selbstwirksamkeit lernen?

Ja, vor allem durch eigene Erfolgserlebnisse. Kleine, machbare Schritte und das bewusste Festhalten von Erfolgen helfen dabei.

Quellen

  1. Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191-215. DOI
  2. Stajkovic, A. D. und Luthans, F. (1998). Self-efficacy and work-related performance: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 124(2), 240-261.
  3. Sitzmann, T. und Yeo, G. (2013). A meta-analytic investigation of the within-person self-efficacy domain: Is self-efficacy a product of past performance or a driver of future performance? Personnel Psychology, 66(3), 531-568. DOI
  4. Werner, E. E. (1993). Risk, resilience, and recovery: Perspectives from the Kauai Longitudinal Study. Development and Psychopathology, 5, 503-515.

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