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Resilienz · Vertiefung

Selbstführung: Routinen, die gute Entscheidungen tragen

Wie du mit drei kleinen Routinen am Morgen, im Tag und am Abend deine Entscheidungen planst, schützt und auswertest. Mit Baukasten zum Ausfüllen.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Martin führt ein Architekturbüro mit 25 Beschäftigten. Sein Tag beginnt mit Mails und endet mit Mails. Dazwischen Baustellentermine, Kundengespräche und Fragen aus dem Team. Die wichtigen Entscheidungen, etwa ob das Büro an einem großen Wettbewerb teilnimmt oder eine neue Stelle schafft, schiebt er seit Wochen vor sich her. Abends weiß er oft nicht, was er an diesem Tag entschieden hat.

Beispiel frei erfunden.

Was hat Selbstführung mit Entscheidungen zu tun?

Selbstführung bestimmt mit, ob deine wichtigen Entscheidungen Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Ohne Struktur bestimmen Anfragen von außen den Tag. Wichtige, aber nicht dringende Entscheidungen fallen dann durch, oder sie fallen in Hektik zwischen zwei Terminen.

Routinen helfen, weil sie dir Entscheidungen abnehmen, bevor sie anfallen. Wer jeden Morgen zur gleichen Zeit seine Prioritäten prüft, muss nicht jedes Mal neu überlegen, ob er es tut. Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran fanden 2006 in einer Meta-Analyse über 94 Tests, dass Wenn-dann-Pläne die Umsetzung von Vorsätzen deutlich verbessern.

Für Martin heißt das: Er plant für die neuen Routinen mehrere Wochen ein. Lässt er einen Tag aus, macht er am nächsten einfach weiter.

Wie sieht der Routinen-Baukasten aus?

Der Baukasten besteht aus drei Bausteinen: einem Morgen-Check, festen Entscheidungsfenstern und einem Abendreview. Du kannst mit einem Baustein beginnen und die anderen später ergänzen.

Routinen-Baukasten

BausteinDauerKernfragenWenn-dann-Satz, Beispiel Martin
Morgen-Check10 MinutenWelche eine Entscheidung ist heute die wichtigste? Was brauche ich dafür?„Wenn ich den ersten Kaffee trinke, schreibe ich die wichtigste Entscheidung des Tages auf.“
Entscheidungsfenster60 bis 90 MinutenUngestört an einer wichtigen Entscheidung arbeiten„Wenn es Dienstag oder Donnerstag 8:30 Uhr ist, schließe ich die Tür und schalte das Telefon um.“
Abendreview5 MinutenWas habe ich heute entschieden? Was lerne ich daraus? Was bleibt offen?„Wenn ich den Laptop zuklappe, notiere ich drei Zeilen im Entscheidungsjournal.“

Füll die Tabelle aus und schreib die drei Sätze auf eine Karteikarte.

Drei Bausteine, je ein Wenn-dann-Satz. Mehr braucht es für den Anfang nicht.

Baukasten von T1Leaders. Kein wissenschaftlich validiertes Verfahren.

MerksatzFang mit einem Baustein an. Wenn er sitzt, nimm den nächsten dazu.

Wie nutzt du Entscheidungsfenster im Tag?

Ein Entscheidungsfenster ist ein fester Block im Kalender, in dem du ungestört an einer wichtigen Entscheidung arbeitest. Leg ihn in eine Zeit, in der du erfahrungsgemäß klar denkst, und schütze ihn wie einen Kundentermin. Ein bis zwei Fenster pro Woche reichen oft schon.

Martin legt zwei Fenster fest, dienstags und donnerstags von 8:30 bis 10 Uhr. Im ersten Fenster bereitet er die Entscheidung über den Wettbewerb vor: Aufwand, Chancen, Auslastung des Teams. Im zweiten entscheidet er. Nach drei Wochen Aufschub ist die Frage in vier Tagen geklärt.

Für kleinere, wiederkehrende Fragen helfen feste Regeln, die das Team selbst anwenden kann. Wie das geht, zeigt Entscheidungsregeln. Was die Forschung über nachlassende Entscheidungsqualität im Tagesverlauf sagt und was umstritten ist, fasst Entscheidungsmüdigkeit zusammen.

Was bringt das Abendreview?

Das Abendreview zeigt dir, was du entschieden hast, was offen ist und was du daraus lernst. Fünf Minuten reichen. Mit der Zeit entsteht ein Entscheidungsjournal, in dem du Muster erkennst: Welche Entscheidungen schiebst du auf? Wo lagst du richtig, wo nicht?

Martin merkt nach einem Monat, dass er Personalfragen regelmäßig auf den Freitagnachmittag schiebt und dann unter Zeitdruck entscheidet. Er legt sie künftig ins Dienstagsfenster. Wie du ein Entscheidungsjournal aufbaust und auswertest, erklärt Entscheidungsjournal.

Das Abendreview hat noch einen zweiten Nutzen. Wer offene Punkte aufschreibt, kann sie leichter für den Abend beiseitelegen. Das hilft beim Abschalten. Erholung und Grenzen planst du mit Stressmanagement für Führungskräfte.

MerksatzWas du abends aufschreibst, musst du nachts nicht im Kopf behalten.

Grenzen

Wann tragen Routinen nicht?

  • Bei einem Kalender, den andere bestimmen: Wenn du kaum eigene Zeit hast, hilft zuerst ein Gespräch über Zuständigkeiten und Termine.
  • In akuten Krisen: Dann rücken Routinen in den Hintergrund. Nimm sie nach der Krise bewusst wieder auf.
  • Bei zu vielen Routinen auf einmal: Wer alle drei Bausteine gleichzeitig einführt, hält oft keinen durch.
  • Bei starren Routinen: Wenn eine Routine nicht mehr passt, ändere sie. Routinen sollen dir dienen.
  • Organisationale Grenze: ständige Unterbrechung als Kultur. In manchen Büros erwartet das Team, dass die Führung jederzeit ansprechbar ist. Dann scheitern Entscheidungsfenster am Umfeld. Schutz im Prozess: Fenster im Team ankündigen und für dringende Fragen eine Vertretung benennen.

Gegenmittel

So startest du

  1. Einen Baustein wählen: zum Beispiel den Morgen-Check, er ist schnell eingeführt.
  2. Einen Wenn-dann-Satz formulieren, der an eine bestehende Gewohnheit anknüpft.
  3. Vier Wochen durchhalten, auch wenn einzelne Tage ausfallen.
  4. Den nächsten Baustein ergänzen, sobald der erste sitzt.
  5. Monatlich prüfen: Was hat sich bewährt, was passt nicht mehr?

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Eine Bereichsleiterin hat einen Tag voller Termine. Wichtige Entscheidungen bleiben liegen, und abends weiß sie nicht, was sie entschieden hat. Welcher Start ist sinnvoll?

    1. AAb Montag alle drei Bausteine einführen und jeden Tag streng einhalten.
    2. BMit dem Morgen-Check beginnen: „Wenn ich mich an den Schreibtisch setze, schreibe ich die wichtigste Entscheidung des Tages auf.“ Nach vier Wochen den nächsten Baustein ergänzen.
    3. CErst starten, wenn der Kalender ruhiger wird.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A überfordert und wird selten durchgehalten. Antwort C wartet auf einen Zeitpunkt, der oft nicht kommt. Antwort B beginnt klein, knüpft an eine bestehende Gewohnheit an und baut schrittweise aus.

Häufige Fragen

Was bedeutet Selbstführung?

Selbstführung heißt, das eigene Denken, Handeln und die eigene Zeit bewusst zu steuern, um selbst gesetzte Ziele zu erreichen. Für Führungskräfte gilt sie als Grundlage, um andere gut zu führen.

Wie lange dauert es, eine Routine aufzubauen?

Das ist sehr unterschiedlich. In einer bekannten Studie lag der Median bei 66 Tagen, die Spanne reichte von 18 bis 254 Tagen.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstführung und Selbstmanagement?

Die Begriffe werden oft ähnlich verwendet. Selbstmanagement meint eher die Organisation von Zeit und Aufgaben. Selbstführung schließt auch Ziele, Werte und Motivation ein.

Quellen

  1. Gollwitzer, P. M. und Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69-119.
  2. Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W. und Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998-1009. Zusammenfassung: The Behavioral Scientist
  3. Manz, C. C. (1986). Self-leadership: Toward an expanded theory of self-influence processes in organizations. Academy of Management Review, 11(3), 585-600.

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