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Methoden · Vertiefung

Six Thinking Hats: die sechs Denkhüte mit Ablauf

Wie ein Team eine Frage nacheinander aus sechs Blickwinkeln betrachtet und so geordnet ins Gespräch kommt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

Die Inhaberfamilie eines Hotels an der Ostsee will den Wellnessbereich ausbauen. Im Gespräch springen alle durcheinander. Der Sohn schwärmt von neuen Gästen, die Mutter rechnet die Kosten vor, der Küchenchef fürchtet die Bauzeit in der Saison. Nach zwei Stunden ist niemand klüger. Die Tochter, die das Hotel bald übernimmt, schlägt eine Runde mit festen Rollen vor. Kann das helfen?

Beispiel frei erfunden.

Wofür steht jeder der sechs Hüte?

Jeder Hut steht für eine Art zu denken. Wer einen Hut trägt, denkt nur in dieser Richtung. Der blaue Hut steuert den Ablauf, er kommt am Anfang und am Ende.

HutBlickwinkelLeitfrage
BlauSteuerungWorüber denken wir nach, in welcher Reihenfolge, was ist das Ergebnis?
WeißFakten und InformationenWas wissen wir, was fehlt uns, woher bekommen wir es?
RotGefühle und BauchgefühlWas spüre ich dabei, ohne es zu begründen?
SchwarzVorsicht und RisikenWas könnte schiefgehen, wo liegen Schwächen?
GelbNutzen und ChancenWas spricht dafür, welchen Wert hat es?
GrünNeue IdeenWelche anderen Wege gibt es, was könnten wir verändern?

Ein Bild aus dem Alltag: Beim Kauf eines Gebrauchtwagens schaust du zuerst in die Papiere. Dann fühlst du, ob er dir gefällt, suchst Rost und denkst an die Vorteile. Wer alles gleichzeitig tut, übersieht leicht den Rost, weil die Farbe so schön ist.

Eine Besonderheit ist der rote Hut. Er erlaubt, Gefühle ohne Begründung zu äußern, und zwar kurz. In manchen Runden werden Gefühle als Argumente verkleidet. Hier bekommen sie einen eigenen, begrenzten Platz.

MerksatzEin Hut für alle zur gleichen Zeit. So denkt das Team in dieselbe Richtung.

Wie läuft eine Sitzung in 45 Minuten ab?

Eine Sitzung beginnt und endet mit dem blauen Hut. Dazwischen kommen die anderen Hüte in einer Reihenfolge, die zur Frage passt. Für eine Entscheidung zwischen Ausbau und Verzicht eignet sich der Ablauf unten.

Moderationsablauf für 45 Minuten

SchrittHutDauerFragen für die Moderation
1Blau5 Minuten„Unsere Frage lautet: Bauen wir den Wellnessbereich bis Ostern aus? Am Ende wollen wir wissen, ob wir weiterplanen.“
2Weiß8 Minuten„Welche Zahlen haben wir? Auslastung, Kosten, Angebote. Was fehlt uns noch?“
3Rot3 Minuten„Jede Person sagt in einem Satz, wie sie sich mit dem Vorhaben fühlt. Keine Begründung.“
4Gelb7 Minuten„Was spricht dafür? Welche Gäste gewinnen wir, was wird leichter?“
5Schwarz8 Minuten„Was könnte schiefgehen? Wo sind wir zu optimistisch?“
6Grün9 Minuten„Welche anderen Wege gibt es? Kleiner, später, mit Partner?“
7Blau5 Minuten„Was haben wir gelernt? Was ist der nächste Schritt, wer macht was bis wann?“

Nutze die Tabelle als Moderationskarte und setze deine Frage ein.

Sieben Abschnitte, 45 Minuten. Rot ist bewusst der kürzeste.

Dauer und Reihenfolge sind eine Empfehlung von T1Leaders für eine Entscheidungsfrage. De Bono beschreibt verschiedene Reihenfolgen je nach Zweck.

Im Hotel bringt der grüne Hut die Wende. Die Familie kommt auf die Idee, den Wellnessbereich gemeinsam mit einem benachbarten Physiotherapeuten zu betreiben. Das senkt die Investition und schließt die Lücke in der Nebensaison. Beim schwarzen Hut hatte der Küchenchef die Bauzeit genannt. Jetzt plant die Familie den Bau für November.

MerksatzDer grüne Hut nach dem schwarzen bringt oft viel, weil die Ideen jetzt die Bedenken kennen.

Wie gut ist die Methode belegt?

Die Methode ist in Unternehmen und Schulen verbreitet. Zu ihrer Wirkung gibt es wenig Forschung. Eine Übersicht über 42 Denkwerkzeuge aus dem Jahr 2005 fand nur spärliche Belege dafür, dass Trainings mit de Bonos Werkzeugen das Denken allgemein verbessern.

Der Nutzen liegt vor allem in der Ordnung. Wenn alle gleichzeitig nach Risiken suchen, bekommen Bedenken Raum, ohne als Störung zu gelten. Und wenn alle gleichzeitig nach Chancen suchen, müssen auch Skeptiker Vorteile benennen. Wie Gruppen sonst in Einigkeit kippen, liest du unter Gruppendenken.

Grenzen

Wann solltest du die sechs Hüte nicht nutzen?

  • Wenn Optionen bewertet werden müssen: Die Hüte sammeln Gedanken, sie gewichten nicht. Für den Vergleich nach Kriterien passt eine Nutzwertanalyse.
  • Wenn die Rollen zum Spiel werden: Wer den schwarzen Hut nur pflichtschuldig aufsetzt, nennt keine echten Bedenken. Echte Zweifel brauchen echte Zweifler.
  • Wenn die Zeit fehlt: Ein vollständiger Durchgang dauert mindestens 30 Minuten. Bei akuten Fragen ist das zu lang.
  • Wenn niemand moderiert: Ohne den blauen Hut verschwimmen die Rollen schnell wieder.
  • Organisationale Grenze: der Hut als Maulkorb. In manchen Runden wird der Wechsel zum nächsten Hut genutzt, um unbequeme Einwände abzuwürgen: „Das ist schwarzer Hut, der ist vorbei.“ Schutz im Prozess: Wichtige Bedenken kommen auf eine sichtbare Liste und werden im letzten blauen Hut ausdrücklich behandelt. Niemand darf einen Beitrag mit dem Hinweis auf den falschen Hut abweisen, ohne ihn zu notieren.

Gegenmittel

So moderierst du deine erste Runde

  1. Frage aufschreiben: in einem Satz, sichtbar für alle.
  2. Reihenfolge festlegen: mit dem blauen Hut beginnen und enden.
  3. Zeit pro Hut begrenzen und laut ansagen, welcher Hut gerade gilt.
  4. Ergebnisse je Hut festhalten, auf Karten oder einem Flipchart.
  5. Im letzten blauen Hut entscheiden: Was ist der nächste Schritt, wer macht ihn bis wann? Wer die Bedenken vertiefen will, nutzt danach ein Pre-Mortem.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Ihr seid beim gelben Hut, Chancen. Ein Kollege sagt: „Das wird nie funktionieren, wir haben dafür kein Personal.“ Was tust du als Moderatorin?

    1. ADen Einwand diskutieren, weil er wichtig ist.
    2. BDen Einwand aufschreiben, ihn dem schwarzen Hut zuordnen und den Kollegen bitten, jetzt einen Vorteil zu nennen.
    3. CDen Einwand übergehen, weil er nicht zum gelben Hut passt.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A wirft die Reihenfolge über den Haufen. Antwort C verliert einen wertvollen Hinweis und verärgert den Kollegen. Antwort B hält die Ordnung und sichert den Einwand für später.

Häufige Fragen

Was bedeuten die sechs Denkhüte?

Weiß steht für Fakten, Rot für Gefühle, Schwarz für Risiken, Gelb für Chancen, Grün für neue Ideen und Blau für die Steuerung des Gesprächs. Jeder Hut gibt eine Denkrichtung vor, die alle gleichzeitig einnehmen.

Kann ich die Methode allein nutzen?

Ja. Schreibe zu jedem Hut ein paar Sätze auf ein Blatt, in der Reihenfolge Blau, Weiß, Rot, Gelb, Schwarz, Grün, Blau. Allein fehlt dir der Widerspruch anderer, besonders beim schwarzen Hut.

Muss die Reihenfolge immer gleich sein?

Nein. De Bono beschreibt verschiedene Reihenfolgen. Für Entscheidungen hilft es, Fakten vor Bewertungen und Ideen nach den Risiken zu stellen. Der blaue Hut steht immer am Anfang und am Ende.

Quellen

  1. de Bono, E. (1985). Six Thinking Hats.
  2. Six Thinking Hats, Überblick mit Verweis auf Moseley et al. (2005): Wikipedia
  3. Moseley, D., Baumfield, V., Elliott, J., Gregson, M., Higgins, S., Miller, J. und Newton, D. (2005). Frameworks for Thinking. Cambridge University Press. Durham University

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