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Entscheidungen treffen · Vertiefung

Entscheidungsalternativen: mehr Optionen entwickeln

Wie du aus einer Ja-oder-Nein-Frage in dreißig Minuten mindestens vier echte Optionen machst, und warum sich das lohnt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Ein Verein betreibt eine Kindertagesstätte mit drei Gruppen. Die Warteliste ist lang, 22 Familien suchen einen Platz. Im Vorstand gibt es seit Monaten zwei Lager. Die einen wollen eine vierte Gruppe eröffnen. Die anderen sagen, dafür fehlen Personal und Räume. Die Vorsitzende Miriam merkt: Alle reden nur über Ja oder Nein. Gibt es noch andere Wege?

Beispiel frei erfunden.

Warum sind Entweder-oder-Fragen gefährlich?

Entweder-oder-Fragen sind gefährlich, weil ihnen oft bessere Optionen fehlen. Chip Heath und Olivier Sibony berichteten 2013 über Forschung von Paul Nutt: In 70 Prozent wichtiger strategischer Entscheidungen wurde nur eine Option ernsthaft geprüft. Die Frage lautete dann nur noch, ob man sie umsetzt.

Johannes Siebert und Ralph Keeney zeigten 2015, wie viele Optionen Menschen ohne Hilfe übersehen. Studierende sollten Möglichkeiten für eine eigene Entscheidung sammeln. Später bekamen sie eine umfassende Liste und bewerteten, welche Optionen sie für relevant hielten.

Ein Bild aus dem Alltag: Wer überlegt, ob er ein neues Auto kauft oder das alte behält, übersieht schnell weitere Wege. Er könnte ein Auto leasen, Carsharing nutzen oder das alte reparieren lassen. Vielleicht passt eine dieser Optionen besser als beide ursprünglichen.

MerksatzDie beste Option ist oft die, über die noch niemand gesprochen hat.

Welche drei Techniken öffnen neue Optionen?

Drei Techniken helfen dabei. Jede braucht etwa zehn Minuten. In dieser Zeit sammelst du nur. Bewerten kommt danach.

Vom Entweder-oder zu vier Optionen

TechnikLeitfrageNeue Option im Kita-Beispiel
Beides-undWie lassen sich die Vorteile beider Wege verbinden?Halbtagsgruppe am Nachmittag in den vorhandenen Räumen, mit zwei Teilzeitkräften
Wenn keine gingeWas würden wir tun, wenn weder Ja noch Nein erlaubt wäre?Kooperation mit der Grundschule nebenan, die Räume am Nachmittag frei hat
Kleinster TestWie können wir eine Option im Kleinen ausprobieren?zwei zusätzliche Plätze pro Gruppe für ein Jahr, nach Prüfung des Betreuungsschlüssels
Ausgangsoptionenvierte Gruppe eröffnen, keine Veränderung

Schreibe deine Ausgangsfrage auf und ergänze zu jeder der drei Techniken mindestens eine Option.

Zwei Äste am Anfang, mindestens vier am Ende.

Beispiel frei erfunden. Die rechtlichen Vorgaben für Gruppengröße und Personal müssen im Einzelfall geprüft werden.

Beides-und: Der Vorstand ersetzt die Frage „vierte Gruppe ja oder nein“ durch eine neue: Wie lassen sich mehr Plätze und die knappen Räume verbinden? So entsteht die Idee einer Halbtagsgruppe.

Wenn keine ginge: Miriam bittet alle, sich vorzustellen, weder eine neue Gruppe noch der jetzige Zustand sei möglich. Ein Vorstandsmitglied erinnert sich, dass die Grundschule nebenan nachmittags leere Räume hat.

Kleinster Test: Bevor der Vorstand eine ganze Gruppe aufbaut, prüft er, ob einzelne zusätzliche Plätze möglich sind. Das wäre ein Test für ein Jahr.

Bei Miriam dauert die Runde vierzig Minuten. Am Ende stehen fünf Optionen auf dem Flipchart. Die Stimmung im Vorstand ändert sich spürbar: Die beiden Lager überlegen jetzt gemeinsam, welche der neuen Wege tragen könnten.

MerksatzDrei Fragen, dreißig Minuten, mindestens vier Optionen.

Wie geht es nach dem Sammeln weiter?

Nach dem Sammeln bewertest du die Optionen nach denselben Kriterien. Erst jetzt zeigt sich, welche Optionen tragen. Für den Vergleich mehrerer Optionen nach Kriterien eignet sich eine Entscheidungsmatrix. Hängen die Folgen vom Zufall ab, hilft ein Entscheidungsbaum.

Der Kita-Vorstand vergleicht die fünf Optionen nach drei Kriterien: Zahl der zusätzlichen Plätze, Kosten und Machbarkeit beim Personal. Die Kooperation mit der Grundschule schneidet am besten ab. Sie bringt zwölf Plätze am Nachmittag und braucht nur eine zusätzliche Fachkraft. Die vierte Gruppe scheitert am Personal, das Nichtstun an der langen Warteliste.

Stecken zwei Lager trotzdem fest, öffnet das Tetralemma den Blick für Positionen jenseits von Ja und Nein. Wer eine Entscheidung schon lange vor sich herschiebt, findet unter Ich kann mich nicht entscheiden Wege zurück ins Handeln.

Grenzen

Wann helfen neue Optionen nicht weiter?

  • Wenn die Optionen festgelegt sind: Gesetz, Vertrag oder Auftrag lassen manchmal nur zwei Wege zu. Dann wählst du sorgfältig zwischen ihnen.
  • Wenn die Zeit fehlt: In einer akuten Lage ist eine gute Option jetzt besser als vier Optionen morgen.
  • Wenn das Sammeln kein Ende findet: Mehr Optionen können die Wahl erschweren, wenn sie sich alle ähnlich anfühlen. Begrenze die Liste nach dem Sammeln auf drei bis fünf.
  • Wenn neue Optionen nur Ausweichmanöver sind: Manchmal ist eine neue Idee ein Vorwand, die unangenehme Entscheidung nicht zu treffen.
  • Organisationale Grenze: die Scheinalternative. In manchen Gremien schreibt jemand zusätzliche Optionen nur auf, damit die gewünschte Option besser aussieht. Schutz im Prozess: Jede Option bekommt eine Person, die sie ernsthaft ausarbeitet. Die Kriterien stehen fest, bevor die Optionen bewertet werden.

Gegenmittel

So entwickelst du Optionen für deine Entscheidung

  1. Die Ausgangsfrage aufschreiben, so wie sie gerade diskutiert wird.
  2. Die Ziele klären: Was soll die Entscheidung erreichen? Wer seine Ziele kennt, findet mehr Optionen.
  3. Die drei Techniken nacheinander anwenden, je zehn Minuten, ohne zu bewerten.
  4. Die Liste auf drei bis fünf echte Optionen kürzen.
  5. Mit denselben Kriterien bewerten, etwa in einer Matrix. Wer schwer zwischen gleichwertigen Wegen wählt, findet Hilfe unter Schwere Entscheidungen treffen.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Ein Bauunternehmen diskutiert, ob es einen zweiten Bagger kauft oder nicht. Der erste ist zu 90 Prozent ausgelastet, ein zweiter würde 180.000 Euro kosten. Welche Option entsteht mit der Technik „Kleinster Test“?

    1. ADen Bagger sofort kaufen, weil die Auslastung hoch ist.
    2. BFür drei Monate einen Bagger mieten und messen, wie stark er ausgelastet ist.
    3. CDie Frage auf das nächste Jahr verschieben.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Die Miete prüft im Kleinen, ob sich ein zweiter Bagger lohnt. Antwort A bleibt im Entweder-oder. Antwort C vertagt die Frage nur.

Häufige Fragen

Was sind Entscheidungsalternativen?

Entscheidungsalternativen sind die Möglichkeiten, zwischen denen bei einer Entscheidung gewählt wird. Je besser diese Auswahl ist, desto besser kann die Entscheidung werden.

Wie viele Optionen sollte ich prüfen?

Mindestens drei echte Optionen. Mehr als fünf werden schwer vergleichbar. Achte vor allem darauf, dass sich die Optionen deutlich unterscheiden.

Wie entwickle ich Handlungsoptionen im Team?

Lasse zuerst jede Person still eigene Optionen aufschreiben, bevor ihr sie sammelt. So prägen die ersten Ideen nicht die ganze Runde. Danach wendet ihr gemeinsam die drei Techniken an.

Quellen

  1. Siebert, J. und Keeney, R. L. (2015). Creating more and better alternatives for decisions using objectives. Operations Research, 63(5), 1144-1158. RePEc · Pressemitteilung: idw
  2. Heath, C. und Sibony, O. (2013). Making great decisions. McKinsey Quarterly. McKinsey

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