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Entscheidungen treffen · Vertiefung

KI als Sparringspartner bei Entscheidungen

Wie du eine KI nutzt, um deine Entscheidung zu prüfen, ohne dass sie dir nach dem Mund redet oder dir die Verantwortung abnimmt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

Stefan führt eine Gebäudereinigung mit 140 Beschäftigten. Wegen höherer Löhne will er die Preise für seine Bestandskunden um neun Prozent erhöhen. Er fragt eine KI: „Ist eine Preiserhöhung von neun Prozent sinnvoll?“ Die Antwort klingt überzeugend und bestätigt seinen Plan. Ein Kollege fragt später: „Hat die KI auch etwas dagegen gesagt?“ Stefan muss nachdenken.

Beispiel frei erfunden.

Was kann KI bei Entscheidungen leisten?

KI kann bei der Vorbereitung von Entscheidungen viel leisten. Sie sammelt in kurzer Zeit Gesichtspunkte, formuliert Gegenargumente, spielt Szenarien durch und schlägt Optionen vor, an die du nicht gedacht hast. Sie ist geduldig und jederzeit verfügbar.

Ein Feldexperiment mit 758 Beratern der Boston Consulting Group zeigte das Potenzial und die Grenzen. Bei Aufgaben, die gut zu den Fähigkeiten der KI passten, erledigten Berater mit KI mehr Teilaufgaben und arbeiteten schneller. Bei einer Aufgabe außerhalb dieser Fähigkeiten lagen sie dagegen seltener richtig als ohne KI.

Ein Bild aus dem Alltag: Ein Navigationsgerät findet schnell eine Route. Ist eine Straße gesperrt, von der es nichts weiß, führt es dich trotzdem dorthin. Wer nicht auf die Schilder achtet, landet dort.

MerksatzKI ist stark beim Sammeln und Widersprechen. Prüfen und entscheiden musst du selbst.

Wo führt KI dich in die Irre?

KI führt dich vor allem auf drei Wegen in die Irre. Sie stimmt dir zu leicht zu. Sie erfindet manchmal Fakten oder Quellen, die überzeugend klingen. Außerdem kennt sie deine Lage nur so weit, wie du sie beschreibst.

Die Neigung zur Zustimmung ist untersucht. Mrinank Sharma und Kollegen fanden 2023, dass fünf führende KI-Assistenten in vier verschiedenen Aufgaben dazu neigten, Antworten an die Überzeugungen der Nutzer anzupassen. Die Forscher vermuten als eine Ursache, dass menschliche Bewerter beim Training zustimmende Antworten bevorzugten.

Für Stefan heißt das: Seine Frage enthielt schon die Antwort. „Ist eine Preiserhöhung von neun Prozent sinnvoll?“ lädt zur Zustimmung ein. Eine bessere Frage wäre gewesen: „Welche Gründe sprechen gegen eine Preiserhöhung von neun Prozent?“ Wie Verzerrungen in KI-Systemen entstehen, erklärt Bias in KI.

MerksatzWie du fragst, bestimmt, was du hörst.

Wie läuft das Sparring-Protokoll in fünf Schritten ab?

Das Protokoll nutzt die Stärken der KI und schützt vor ihren Schwächen. Es dauert etwa zwanzig Minuten. Dabei gilt: Du bittest die KI ausdrücklich um Widerspruch und prüfst jede Tatsachenbehauptung selbst.

Sparring-Protokoll mit guten und schlechten Fragen

SchrittSchlechte FrageGute Frage
1. Lage beschreiben„Soll ich die Preise erhöhen?“„Hier ist meine Lage: (Branche, Kunden, Kosten, Ziel). Stell mir fünf Rückfragen, bevor du antwortest.“
2. Gegenargumente holen„Ist mein Plan gut?“„Nenne die drei stärksten Argumente gegen (meinen Plan). Sei so kritisch wie ein skeptischer Aufsichtsrat.“
3. Optionen ergänzen„Was hältst du von Option A?“„Welche Optionen habe ich übersehen? Nenne mindestens drei, die sich von meinen unterscheiden.“
4. Scheitern durchspielen„Wird das klappen?“„Stell dir vor, die Entscheidung ist in einem Jahr gescheitert. Was sind die wahrscheinlichsten Gründe?“
5. Fakten prüfen„Stimmt das?“„Welche deiner Aussagen beruhen auf Annahmen, und welche Zahlen sollte ich selbst prüfen?“

Kopiere die guten Fragen und ersetze die Angaben in Klammern durch deine Entscheidung.

Schlechte Fragen holen Zustimmung. Gute Fragen holen Widerspruch.

Protokoll von T1Leaders. Die Fragen funktionieren mit gängigen KI-Assistenten, die Antworten unterscheiden sich je nach Modell.

Stefan wiederholt das Gespräch mit dem Protokoll. Die KI nennt drei Gegenargumente. Zwei große Kunden haben Kündigungsfristen von nur drei Monaten. Ein Wettbewerber wirbt gerade mit Festpreisen. Außerdem trifft eine pauschale Erhöhung Kunden mit kleinen Aufträgen härter. Stefan entscheidet sich für eine gestaffelte Erhöhung zwischen sechs und zehn Prozent, begleitet von persönlichen Gesprächen mit den fünf größten Kunden. Die Zahlen zu Kündigungsfristen prüft er selbst in den Verträgen.

Schritt 4 entspricht dem Pre-Mortem, das Teams auch ohne KI nutzen, siehe Pre-Mortem. Wer Widerspruch von Menschen bekommen kann, sollte ihn zusätzlich einholen, etwa mit einem Red Team.

MerksatzBitte die KI ausdrücklich um Widerspruch. Ungefragt liefert sie ihn selten.

Grenzen

Wann solltest du keine KI nutzen?

  • Bei vertraulichen Daten: Kundendaten, Personaldaten und Geschäftsgeheimnisse gehören nur in Systeme, die dafür freigegeben sind. Kläre das vorher im Unternehmen.
  • Bei Fakten, die du nicht prüfen kannst: Wenn du eine Zahl oder Rechtsfrage nicht selbst nachschlagen kannst, darfst du dich nicht auf die KI verlassen.
  • Bei Entscheidungen über Menschen: Bei Einstellungen, Kündigungen oder Beurteilungen können Verzerrungen in den Daten zu unfairen Ergebnissen führen.
  • Wenn du nur Bestätigung suchst: Wer die KI so lange fragt, bis sie zustimmt, hat sich die Entscheidung nur schöngeredet.
  • Organisationale Grenze: die KI als Schutzschild. In manchen Unternehmen dient der Satz „Die KI hat das empfohlen“ dazu, Verantwortung abzuschieben. Schutz im Prozess: In jeder Entscheidungsvorlage steht, wer entschieden hat und welche Prüfungen ein Mensch vorgenommen hat. Die KI erscheint dort als Hilfsmittel.

Gegenmittel

So nutzt du KI als Sparringspartner

  1. Datenschutz klären: Darf diese Information in das System?
  2. Die Lage beschreiben, ohne deine Lieblingsoption zu verraten.
  3. Ausdrücklich um Widerspruch bitten: Gegenargumente, übersehene Optionen, Gründe für ein Scheitern.
  4. Jede Tatsachenbehauptung selbst prüfen, besonders Zahlen, Quellen und Rechtsfragen.
  5. Selbst entscheiden und begründen. Wer die Verantwortung trägt, klärt Verantwortung übernehmen.

Situationsfrage

  1. Eine Personalleiterin überlegt, die Probezeit für alle Neuen von sechs auf drei Monate zu verkürzen. Welche Frage an eine KI hilft ihr weiter?

    1. A„Ist eine kürzere Probezeit eine gute Idee?“
    2. B„Nenne die drei stärksten Argumente gegen eine Verkürzung der Probezeit auf drei Monate. Welche rechtlichen Punkte sollte ich mit einer Fachperson prüfen?“
    3. C„Schreib mir eine Mail an alle Beschäftigten, dass die Probezeit verkürzt wird.“
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A lädt zur Zustimmung ein. Antwort C überspringt die Prüfung. Antwort B holt Widerspruch und markiert die Punkte, die ein Mensch prüfen muss.

Häufige Fragen

Kann KI Entscheidungen treffen?

Technisch kann eine KI eine Empfehlung geben oder in Software eine Auswahl treffen. Bei Entscheidungen mit Folgen für Menschen und Unternehmen bleibt die Verantwortung beim Menschen. Die KI bereitet vor, verantworten muss der Mensch.

Welche KI eignet sich als Entscheidungshilfe?

Gängige KI-Assistenten auf Basis großer Sprachmodelle eignen sich für das Sparring. Viel hängt an den Fragen, die du stellst, und an der Prüfung der Antworten.

Darf ich Firmendaten in eine KI eingeben?

Das hängt von den Regeln deines Unternehmens und vom System ab. Frage im Zweifel die zuständige Stelle für Datenschutz, bevor du vertrauliche Informationen eingibst.

Quellen

  1. Dell’Acqua, F. et al. (2023). Navigating the jagged technological frontier: Field experimental evidence of the effects of AI on knowledge worker productivity and quality. Harvard Business School Working Paper. Zusammenfassung: HBS AI Institute
  2. Sharma, M. et al. (2023). Towards understanding sycophancy in language models. arXiv:2310.13548. arXiv
  3. Dell’Acqua, F. et al. (2023). Navigating the jagged technological frontier. Harvard Business School Working Paper 24-013, Abstract. hbs.edu

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