Methoden · Vertiefung
BATNA: Die eigene Alternative kennen, bevor verhandelt wird
Wie du vor einer Verhandlung deinen besten Ausweg bezifferst und daraus deine Untergrenze ableitest.
Wie funktioniert die BATNA?
Die BATNA macht aus „Ist das ein gutes Angebot?“ einen Vergleich: Angebot gegen beste Option ohne Einigung. Ohne diesen Vergleich urteilen Verhandelnde nach Gefühl, nach dem letzten Angebot der Gegenseite oder nach der Angst vor dem Abbruch.
Aus der BATNA folgt der Reservationspreis, also der Punkt, an dem Einigung und Abbruch gleich viel wert sind. Für einen Verkäufer ist das der niedrigste Preis, den er annehmen kann. Für einen Käufer ist es der höchste.
Beide Seiten haben eine BATNA und damit einen Reservationspreis. Liegt der Reservationspreis des Verkäufers unter dem des Käufers, entsteht dazwischen die ZOPA (Zone of Possible Agreement), der Raum möglicher Einigungen. Fehlt diese Überlappung, ist jede Einigung für mindestens eine Seite schlechter als ihr Ausweg.
Einigung ist nur zwischen den beiden Reservationspreisen möglich
Verkäufer lehnt ab
Die BATNA des Verkäufers, seine beste Option ohne diesen Kunden, legt den Mindestpreis fest.
ZOPA
Raum möglicher Einigungen. Nur hier ist eine Einigung für beide Seiten besser als der Abbruch.
Käufer lehnt ab
Die BATNA des Käufers, seine beste Option ohne diesen Lieferanten, legt den Höchstpreis fest.
Daten als Tabelle
| Preisbereich | Was passiert | Grenze festgelegt durch |
|---|---|---|
| Unter dem Reservationspreis des Verkäufers | Verkäufer lehnt ab | BATNA Verkäufer: beste Option ohne diesen Kunden, legt den Mindestpreis fest |
| Zwischen beiden Reservationspreisen | ZOPA, Raum möglicher Einigungen | beide Reservationspreise |
| Über dem Reservationspreis des Käufers | Käufer lehnt ab | BATNA Käufer: beste Option ohne diesen Lieferanten, legt den Höchstpreis fest |
Die Grafik zeigt den Fall einer Überlappung. In welcher Höhe die beiden Reservationspreise liegen, legt allein die jeweilige BATNA fest.
Daraus erklärt sich Verhandlungsmacht. Wer eine starke BATNA hat, muss weniger nachgeben und kann einen Abbruch glaubhaft in Kauf nehmen. Wer keine oder nur schwache Alternativen hat, wird steigende Forderungen eher akzeptieren.
Die BATNA beschreibt, was eine Partei ohne die Gegenseite erreichen kann. Sie liegt damit in der eigenen Hand und lässt sich vor der Verhandlung verbessern. Genau darin sahen Fisher und Ury ihren Wert für die schwächere Seite.
Zwei verwandte Begriffe schärfen das Bild. Die WATNA (Worst Alternative) zeigt, wie schlimm ein Abbruch im ungünstigsten Fall wird. Die EATNA (Estimated Alternative) bezeichnet die geschätzte Alternative, die Menschen häufig besser einschätzen, als sie ist.
Die Methode beantwortet nur eine Frage: Ist eine Einigung besser als der Abbruch? Wo in der ZOPA der Abschluss landet, hängt von Erstangebot, Argumenten und Verhandlungsführung ab.
Woher kommt die BATNA, und was zeigt die Forschung?
BATNA ist ein Begriff aus der Verhandlungslehre des Harvard Negotiation Project. Die Forschung stützt den Kern, zeigt aber auch eine Grenze: Schwache Alternativen können schaden.
| Jahr | Was | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1979 | Roger Fisher gründet mit Studierenden das Harvard Negotiation Project (Penguin Random House) | Institutioneller Rahmen |
| 1981 | Fisher und Ury veröffentlichen Getting to Yes bei Houghton Mifflin und führen den Begriff BATNA ein | Begriff und Grundlogik |
| 1991 | Zweite Auflage mit Bruce Patton als Mitautor | Erweiterte Fassung |
| 1994 | Pinkley, Neale und Bennett untersuchen den Einfluss von Alternativen in Verhandlungen zu zweit (Bibliografie) | Frühe experimentelle Forschung |
| 1996 | Brett, Pinkley und Jackofsky: Wer eine BATNA hat, holt mehr für sich heraus (Abstract) | Beleg für den Machteffekt |
| 2001 | Galinsky und Mussweiler: Der Blick auf die Alternativen der Gegenseite entschärft deren Erstangebot (Abstract) | BATNA der Gegenseite als Werkzeug |
| 2003 | Brad Spangler beschreibt BATNA und EATNA im Portal Beyond Intractability | Verbreitete Praxisdarstellung |
| 2011 | Dritte Auflage von Getting to Yes | Aktuelle englische Fassung |
| 2015 | Schaerer, Swaab und Galinsky: Ohne Alternative verhandeln Teilnehmende in Experimenten besser als mit einer schwachen (Abstract) | Wichtigste Einschränkung |
Fisher und Ury empfehlen die BATNA ausdrücklich für die schwächere Seite. Wer weniger Macht hat, soll in die eigene Alternative investieren. Die Spieltheorie kannte die Idee schon vorher als Nichteinigungspunkt in Verhandlungsmodellen, die auf John Nash zurückgehen.
Zur Evidenz: Brett, Pinkley und Jackofsky fanden, dass Verhandelnde mit BATNA mehr für sich und einen größeren Anteil am Gesamtwert erzielten. Kombiniert mit einem festen Ziel stieg allerdings auch die Quote der Verhandlungen ohne Einigung. Galinsky und Mussweiler fanden in drei Experimenten einen Vorteil für die Seite mit dem Erstangebot. Er verschwand, wenn die andere Seite auf Alternativen oder Reservationspreis des Gegenübers oder auf ihr eigenes Ziel achtete.
Einen deutlichen Gegenbefund liefern Schaerer, Swaab und Galinsky: Teilnehmende mit schwacher Alternative fühlten sich mächtiger als solche ohne Alternative, erzielten aber schlechtere Ergebnisse. Die schwache Alternative wirkte als niedriger Anker für das eigene Erstangebot. Der Nachteil verschwand, wenn sie sich auf einen Gegenanker konzentrierten oder auf ein Gegenüber mit starker Alternative trafen.
Grenzen: Die Studien sind Laborexperimente mit einfachen Preisverhandlungen. Belastbare Zahlen aus echten Unternehmensverhandlungen fehlen. Getting to Yes selbst wurde früh dafür kritisiert, sich vor allem auf Anekdoten zu stützen und Machtkämpfe zu unterschätzen (Überblick).
Auf Deutsch erscheint das Buch als „Das Harvard-Konzept“. Die aktuelle Ausgabe ist neu übersetzt und um Fallbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum ergänzt (Verlagsseite).
Gegenmittel
So wendest du die BATNA Schritt für Schritt an
Eine belastbare BATNA-Analyse braucht rund 2 bis 2,5 Stunden Vorbereitung, für wichtige Verträge mehrere Termine. Die Schritte 1 bis 3 stammen von Fisher und Ury. Reservationspreis, Zielpreis, Alternativen der Gegenseite und ZOPA folgen der Harvard-Lehrpraxis. Die Gewichtung mit Wahrscheinlichkeiten in Schritt 2 ist eine Ergänzung von T1Leaders.
Vorbereitung: 2 bis 4 Personen aus Geschäftsführung, Vertrieb und Controlling. Deckungsbeiträge, Kapazitäten und Vertragslaufzeiten liegen vor.
- Alternativen auflisten (20 Minuten). Notiere alles, was deine Seite tun könnte, wenn keine Einigung zustande kommt. Auch unbequeme Optionen gehören dazu, etwa Kapazität abbauen oder einen Standort verkleinern.
- Alternativen ausarbeiten und bewerten (30 bis 45 Minuten). Übersetze die vielversprechenden Ideen in konkrete Optionen. Jede bekommt einen Wert in Euro, eine Zeitspanne bis zur Wirkung und eine Eintrittswahrscheinlichkeit (Ergänzung von T1Leaders, siehe Erwartungswert). Notiere auch die WATNA, also den ungünstigsten Fall.
- BATNA wählen (10 Minuten). Halte die beste Option oder Kombination fest. Sie muss umsetzbar sein, ohne dass die Gegenseite zustimmt.
- Reservationspreis ableiten (15 Minuten). Berechne den Punkt, an dem eine Einigung genauso viel wert ist wie die BATNA. Halte diese Zahl schriftlich fest, bevor die Verhandlung beginnt.
- BATNA der Gegenseite schätzen (30 Minuten). Mach dieselbe Übung aus Sicht des Gegenübers: Welche Alternativen hat es, was kosten sie, wie schnell wären sie verfügbar? Daraus ergibt sich dessen geschätzter Reservationspreis.
- ZOPA bestimmen (10 Minuten). Lege beide Reservationspreise nebeneinander. Gibt es keine Überlappung, braucht die Verhandlung neue Werte im Paket oder die BATNA wird gezogen.
- Zielpreis setzen (10 Minuten). Lege ein ehrgeiziges Ziel innerhalb der ZOPA fest und richte dein Erstangebot daran aus. Die BATNA bleibt die Untergrenze. Richtest du dein Angebot an ihr aus, verankerst du dich selbst zu niedrig.
- Während der Verhandlung nachführen (laufend). Neue Informationen ändern beide BATNAs. Lege eine schwache BATNA nicht offen. Eine starke kannst du für die Schlussphase zurückhalten.
Erst die eigene BATNA, dann die der Gegenseite, dann die ZOPA
Eigene Seite: Schritte 1 bis 4
1 Alternativen auflisten
20 Minuten
2 Ausarbeiten und gewichten
30 bis 45 Minuten. Gewichtung mit Wahrscheinlichkeit als Ergänzung von T1Leaders
3 BATNA wählen
10 Minuten
4 Reservationspreis festhalten
15 Minuten, schriftlich
Gegenseite und Abgleich: Schritte 5 bis 8
5 BATNA der Gegenseite
30 Minuten
6 ZOPA vorhanden?
10 Minuten. Ja: weiter mit Schritt 7. Nein: Paket erweitern oder BATNA ziehen
7 Zielpreis getrennt setzen
10 Minuten
8 Verhandeln, nachführen
laufend
Daten als Tabelle
| Schritt | Zeit | Hinweis |
|---|---|---|
| 1 Alternativen auflisten | 20 Minuten | eigene Seite |
| 2 Ausarbeiten und gewichten | 30 bis 45 Minuten | Gewichtung mit Wahrscheinlichkeit: Ergänzung von T1Leaders |
| 3 BATNA wählen | 10 Minuten | eigene Seite |
| 4 Reservationspreis festhalten | 15 Minuten | schriftlich |
| 5 BATNA der Gegenseite | 30 Minuten | Gegenseite und Abgleich |
| 6 ZOPA vorhanden? | 10 Minuten | ja: Schritt 7, nein: Paket erweitern oder BATNA ziehen |
| 7 Zielpreis getrennt setzen | 10 Minuten | innerhalb der ZOPA |
| 8 Verhandeln, nachführen | laufend | beide BATNAs aktuell halten |
Die Schritte 1 bis 4 betreffen nur die eigene Seite und dauern rund 75 bis 90 Minuten. Der Reservationspreis steht damit fest, bevor die Gegenseite betrachtet wird.
MerksatzÄndere den Reservationspreis während der Verhandlung nur, wenn sich die BATNA nachweislich verändert hat. Ein überzeugendes Argument der Gegenseite allein reicht nicht.
Kurzform unter Zeitdruck
Musst du das Angebot heute beantworten, reichen 20 Minuten für drei Fragen (Ergänzung von T1Leaders):
- Was tust du morgen früh, wenn du ablehnst?
- Was ist das in Euro wert, realistisch gerechnet?
- Was würde die Gegenseite morgen früh tun?
Liegt das Angebot über der Antwort auf die zweite Frage, verhandle weiter. Liegt es darunter, bitte um Bedenkzeit oder lehne ab.
Die Kurzform ersetzt keine Rechnung mit Deckungsbeiträgen. Ihr Zweck ist schmal: keine Zusage unter Druck, bevor jemand den Ausweg überhaupt benannt hat.
Praxisbeispiel: Familienunternehmen gegen Handelskonzern
Die BATNA-Analyse hat einen geplanten Abbruch gestoppt und den Preis trotzdem deutlich über die Forderung des Kunden gebracht. Gerechnet wird mit Deckungsbeiträgen pro Jahr. Fixkosten bleiben außen vor, bis auf die Einsparung in Option C.
Beispiel frei erfunden, Zahlen zur Veranschaulichung.
Ausgangslage. Ein Feinkosthersteller in dritter Generation mit 140 Beschäftigten liefert jährlich 6 Millionen Gläser an eine Lebensmittelhandelskette. Der Preis liegt bei 1,50 Euro pro Glas, die variablen Kosten bei 1,10 Euro. Mit 9 von 24 Millionen Euro Umsatz steht der Kunde für 37,5 Prozent des Geschäfts.
Die Kette verlangt zur Vertragsverlängerung 1,38 Euro, also 8 Prozent weniger. Der Deckungsbeitrag fiele von 2,40 auf 1,68 Millionen Euro. Im Familienrat ist die Stimmung gereizt, der Seniorchef will mit Auslistung drohen.
Teilnehmende. Geschäftsführerin, Seniorchef als Gesellschafter, Vertriebsleiter, Controller. Vier Personen, zwei Termine à 90 Minuten.
Verlauf. Das Team listet drei Alternativen für den Fall ohne Einigung: andere Handelsketten, ein eigener Exportkanal und der Abbau einer Schicht. Der Vertriebsleiter bewertet sie zunächst ohne Wahrscheinlichkeiten und kommt auf 1,725 Millionen Euro Deckungsbeitrag.
Daraus ergibt sich ein Reservationspreis von 1,39 Euro (1,10 + 1,725 / 6). Die Forderung von 1,38 Euro läge knapp darunter, der Abbruch wäre rechnerisch richtig. Der Seniorchef sieht sich bestätigt.
Dann fragt der Controller, wie sicher die Alternativen sind. Zwei Ketten haben Interesse signalisiert, aber nichts unterschrieben. Der Export braucht einen Partner, der noch nicht gefunden ist.
Bewertung der Alternativen (Ergänzung von T1Leaders: Gewichtung mit Eintrittswahrscheinlichkeit):
| Option ohne Einigung | Menge pro Jahr | Deckungsbeitrag | Wahrscheinlichkeit | Gewichteter Wert |
|---|---|---|---|---|
| A: Andere Handelsketten zu 1,46 Euro | 2,5 Mio. Gläser | 900.000 Euro | 60 % | 540.000 Euro |
| B: Exportkanal zu 1,70 Euro, 0,25 Euro Zusatzkosten | 1,5 Mio. Gläser | 525.000 Euro | 70 % | 367.500 Euro |
| C: Abbau einer Schicht, Fixkosten sinken | entfällt | 300.000 Euro | 100 % | 300.000 Euro |
| BATNA gesamt | 1.725.000 Euro | 1.207.500 Euro |
Mit der gewichteten BATNA sinkt der Reservationspreis auf rund 1,30 Euro (1,10 + 1,2075 / 6). Die Forderung von 1,38 Euro liegt damit klar darüber. Ein Abbruch hätte das Unternehmen gegenüber der Forderung des Kunden rund 470.000 Euro Deckungsbeitrag im Jahr gekostet.
Der überraschende Moment: Die erste, ungewichtete Rechnung sah wie Disziplin aus und hätte zum teuersten Ergebnis geführt. Erst die ehrliche Frage nach der Eintrittswahrscheinlichkeit machte aus der Drohung eine Fehlentscheidung.
BATNA der Kette. Ein Wettbewerber bietet 1,41 Euro. Dazu kommen geschätzt 0,06 Euro pro Glas für Umstellung, Qualitätsaudits und Ausfälle im Regal. Der Reservationspreis der Kette liegt damit bei etwa 1,47 Euro. Die ZOPA reicht von 1,30 bis 1,47 Euro.
Ergebnis. Das Team setzt den Zielpreis bei 1,45 Euro und begründet ihn mit den Umstellungsrisiken der Kette. Die Einigung kommt bei 1,45 Euro mit drei Jahren Laufzeit zustande.
| Szenario | Preis pro Glas | Deckungsbeitrag pro Jahr | Abstand zur Forderung |
|---|---|---|---|
| Bisheriger Vertrag | 1,50 Euro | 2.400.000 Euro | +720.000 Euro |
| Einigung | 1,45 Euro | 2.100.000 Euro | +420.000 Euro |
| Forderung der Kette | 1,38 Euro | 1.680.000 Euro | 0 Euro |
| Abbruch, gewichtete BATNA | entfällt | 1.207.500 Euro | −472.500 Euro |
Der Preis sinkt um gut 3 Prozent. Gefordert waren 8 Prozent. Gegenüber dem alten Vertrag fehlen 300.000 Euro Deckungsbeitrag im Jahr.
Was die Methode hier nicht geleistet hat: Sie hat das eigentliche Problem nicht gelöst, die Abhängigkeit von einem Kunden mit 37,5 Prozent Umsatzanteil. Dafür braucht es eine Strategieentscheidung über neue Kanäle. Sowohl die Wahrscheinlichkeiten als auch die BATNA der Kette sind Schätzungen. Gemessen wurde davon nichts.
Welche Vorteile und Nachteile hat die BATNA?
Die BATNA gibt jeder Verhandlung einen festen Maßstab und zeigt, wo Verhandlungsmacht herkommt. Ihr Wert steht und fällt mit der Ehrlichkeit bei der Bewertung der Alternativen.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Klare Entscheidungsregel: Angebot über BATNA annehmen, darunter ablehnen | Alternativen sind oft Schätzungen, die gern zu optimistisch ausfallen |
| Schützt vor Zusagen aus Angst und vor Abbrüchen aus Stolz | Eine schwache BATNA kann als niedriger Anker das eigene Erstangebot drücken |
| Verlagert Arbeit vor die Verhandlung, wo sie in eigener Hand liegt | Qualitative Faktoren wie Beziehung und Ruf lassen sich schwer in Euro fassen |
| Macht Verhandlungsmacht sichtbar und gezielt verbesserbar | Die BATNA der Gegenseite bleibt eine Vermutung |
| Funktioniert für Preis, Vertrag, Personal und Konflikt gleichermaßen | Sagt nichts darüber, wo in der ZOPA der Abschluss landet |
| Belege aus Experimenten für bessere Ergebnisse mit Alternative | Belege stammen aus Laborstudien mit einfachen Preisverhandlungen |
Typische Fehler
Welche Fehler passieren bei der BATNA?
Die meisten Fehler entstehen bei der Bewertung, wenige bei der Idee selbst. Fehler 1, 2, 4 und 5 sind in den Quellen beschrieben, die übrigen ergeben sich aus der Logik der Methode.
- Die BATNA schönrechnen. Menschen halten ihre Alternativen oft für besser, als sie sind. Guy und Heidi Burgess nennen diese geschätzten Alternativen EATNA, so Spangler. Mach den Realitätstest: Was ist unterschrieben, was nur angedeutet? (Quelle: Beyond Intractability)
- Die schwache BATNA als Anker nutzen. Wer sein Erstangebot an einer schwachen Alternative ausrichtet, fordert zu wenig. In Experimenten schnitten Verhandelnde ohne Alternative besser ab als solche mit schwacher Alternative. Richte dein Erstangebot am Zielpreis aus. (Quelle: Schaerer, Swaab, Galinsky 2015)
- Die Gegenseite vergessen. Wer nur die eigene BATNA kennt, kennt die halbe ZOPA. Die Alternativen des Gegenübers bestimmen, wie weit es sich bewegen kann.
- Eine schwache BATNA offenlegen. Ist die eigene Alternative kaum besser als nichts, schwächt ihre Offenlegung die Position. Außerdem hat die Gegenseite jeden Anreiz, die eigene BATNA kleinzureden. (Quelle: Program on Negotiation)
- Den Reservationspreis mit dem Zielpreis verwechseln. Wer die Untergrenze als Ziel nimmt, landet am Rand der ZOPA. Die Kombination aus Alternative und festem Ziel erhöhte in einer Studie außerdem die Quote gescheiterter Verhandlungen. (Quelle: Brett, Pinkley, Jackofsky 1996)
- Die BATNA einfrieren. Neue Angebote, Fristen und Marktpreise verändern die Alternativen. Eine BATNA vom Projektstart ist nach drei Verhandlungsrunden oft veraltet.
- Nur in Geld rechnen. Beziehung, Ruf und Auslastung haben einen Wert, der in einer reinen Euro-Rechnung fehlt. Nimm diese Faktoren ausdrücklich in die Bewertung auf, auch wenn sie geschätzt sind.
- Den Abbruch als Drohung benutzen, ohne ihn zu wollen. Eine angekündigte BATNA, die du nicht ziehst, kostet Glaubwürdigkeit für alle künftigen Verhandlungen mit diesem Partner.
Grenzen
Wann passt die BATNA und wann nicht?
Die BATNA passt, wo eine Seite ohne Einigung ausweichen kann und sich dieser Ausweg beziffern lässt. Je größer der Einsatz und je knapper die Zeit, desto mehr lohnt die Vorbereitung vor dem ersten Termin.
| Situation | Eignung | Begründung |
|---|---|---|
| Preis- und Vertragsverhandlung mit Großkunden oder Lieferanten | Sehr gut | Alternativen lassen sich in Deckungsbeiträgen rechnen |
| Unternehmenskauf, Beteiligung, Joint Venture | Sehr gut | Hoher Einsatz, Abbruch ist eine echte Option |
| Tarif- oder Betriebsratsverhandlung | Gut | Beide Seiten haben Alternativen, die aber stark von Recht und Beziehung geprägt sind |
| Gehalts- oder Vertragsverhandlung mit Schlüsselpersonen | Gut | Alternative Kandidaten und interne Lösungen lassen sich vergleichen |
| Konflikt mit langfristigem Partner, auf den beide angewiesen sind | Eingeschränkt | Der Abbruch ist kaum realistisch, die Beziehung zählt mehr als der Einzelabschluss |
| Keine echte Alternative vorhanden | Eingeschränkt | Hier hilft eher ein ehrgeiziger Zielpreis als eine schwache BATNA als Anker |
| Akute Krise mit Minuten Vorlauf | Ungeeignet | Keine Zeit für Bewertung, hier helfen eingeübte Abläufe wie der OODA-Loop |
| Entscheidung ohne Gegenüber, etwa interne Investitionsauswahl | Ungeeignet | Ohne Verhandlungspartner gibt es keine Einigung, gegen die du vergleichst. Hier passt eine gewichtete Entscheidungsmatrix wie die Nutzwertanalyse |
Bei Familienunternehmen und Gesellschafterrunden kommt ein Punkt hinzu. Die BATNA wird oft von Personen bewertet, deren Selbstbild am Ausgang hängt. Hol eine externe Person dazu, die die Alternativen gegenrechnet. Das kostet wenig und senkt das Risiko des Schönrechnens (Ergänzung von T1Leaders).
MerksatzVervollständige den Satz „Wenn es keine Einigung gibt, dann …“ in Zahlen, bevor du in die Verhandlung gehst.
Wie grenzt sich die BATNA von verwandten Methoden ab?
Die BATNA bewertet den Ausweg aus einer Verhandlung. Andere Methoden bewerten Optionen ohne Gegenüber, suchen Risiken oder messen entgangenen Nutzen.
| Methode | Leitfrage | Unterschied zur BATNA |
|---|---|---|
| Opportunitätskosten | Was entgeht mir, wenn ich diese Option wähle? | Allgemeines Prinzip für jede Wahl. Die BATNA ist dessen Anwendung auf den Fall ohne Einigung |
| Gewichtete Entscheidungsmatrix (Nutzwertanalyse) | Welche Option erfüllt meine Kriterien am besten? | Vergleicht mehrere Optionen nach Kriterien, ohne Gegenseite und ohne Untergrenze |
| Szenarioanalyse | Welche Zukünfte sind plausibel? | Hilft, die Werte der Alternativen unter verschiedenen Marktbedingungen zu prüfen |
| Stakeholder-Impact-Map | Wen trifft die Entscheidung wie stark? | Zeigt, wer hinter der Gegenseite steht und deren BATNA beeinflusst |
| Abbruchkriterien | Ab wann wird abgebrochen? | Macht den Reservationspreis zu einer verbindlichen Grenze vor Beginn |
| Asymmetrische Chancen-Risiko-Bewertung | Wie verhalten sich möglicher Gewinn und Verlust? | Prüft die WATNA: Ist der schlimmste Fall eines Abbruchs tragbar? |
In der Praxis greifen die Methoden ineinander. Die Szenarioanalyse liefert die Bandbreite für die Werte der Alternativen. Die BATNA verdichtet sie zu einer Zahl, und Abbruchkriterien machen diese Zahl verbindlich, bevor die Verhandlung Druck aufbaut.
Neigt dein Team zum Gruppendenken, lass die Alternativen zuerst einzeln bewerten. Im Praxisbeispiel hat erst die Rückfrage des Controllers die zu optimistische Rechnung gekippt. Plane deshalb vor Schritt 3 einen Bias-Check fest ein (Ergänzung von T1Leaders).
Quellen
- Fisher, R. und Ury, W. (1981). Getting to Yes: Negotiating Agreement Without Giving In. Houghton Mifflin. 2. Auflage 1991 und 3. Auflage 2011 mit Bruce Patton. Zitiert nach Wikipedia: Getting to Yes.
- Fisher, R., Ury, W. und Patton, B.: Das Harvard-Konzept. Penguin Random House Verlagsgruppe, neu übersetzte Ausgabe, ISBN 9783421048288. Verlagsseite mit Biografie Roger Fisher.
- Program on Negotiation, Harvard Law School: Schlagwortseite BATNA. Definition und Hinweise zum Umgang mit BATNA-Informationen.
- Program on Negotiation, Harvard Law School: Schlagwortseite ZOPA. ZOPA als Überlappung der akzeptablen Bereiche.
- Spangler, B. (2003, aktualisiert 2012): BATNA. Beyond Intractability. Schritte nach Fisher und Ury, EATNA.
- Wikipedia: Best alternative to a negotiated agreement. WATNA, Reservationspreis, Bezug zum Nichteinigungspunkt nach Nash.
- Wikipedia: Zone of possible agreement. ZOPA und Reservationspreise.
- Bloomberg Harvard City Leadership Initiative (2025): Arbeitsblatt Verhandlungsvorbereitung. Abfolge Alternativen, beste Alternative, Reservationspunkt, ZOPA.
- Pinkley, R. L., Neale, M. A. und Bennett, R. J. (1994): The impact of alternatives to settlement in dyadic negotiation. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 57, 97 bis 116. Bibliografie RePEc.
- Pinkley, R. L. (1995): Impact of knowledge regarding alternatives to settlement in dyadic negotiations: Whose knowledge counts? Journal of Applied Psychology, 80(3), 403 bis 417. Zitiert nach Lebenslauf Robin Pinkley, SMU.
- Brett, J. F., Pinkley, R. L. und Jackofsky, E. F. (1996): Alternatives to having a BATNA in dyadic negotiation. International Journal of Conflict Management, 7(2), 121 bis 138.
- Galinsky, A. D. und Mussweiler, T. (2001): First offers as anchors. Journal of Personality and Social Psychology, 657 bis 669.
- Schaerer, M., Swaab, R. I. und Galinsky, A. D. (2015): Anchors weigh more than power. Psychological Science, 26, 170 bis 181. Dazu APS-Zusammenfassung.
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