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Methoden · Vertiefung

Entscheidungsmatrix: Vorlage, Beispiel, Grenzen

Wie du Optionen mit einer einfachen Tabelle vergleichst und merkst, wann die Tabelle nicht mehr reicht.

Stand · David Rudolph · rund 16 Minuten Lesezeit

Dennis kauft für ein Gartencenter ein. Der bisherige Lieferant für Blumenerde erhöht die Preise. Drei andere Anbieter haben Angebote geschickt. Die Kundschaft fragt immer öfter nach torffreier Erde, und im März muss die Ware stehen. Dennis hat eine Stunde, um seiner Chefin einen Vorschlag zu machen. Lohnt sich eine Nutzwertanalyse mit Gewichtung, oder reicht eine einfache Tabelle?

Beispiel frei erfunden.

Wie baust du eine Entscheidungsmatrix auf?

Du brauchst vier Dinge: Optionen, Kriterien, einen Bezugspunkt und eine einfache Skala. Bei der Pugh-Matrix ist die Skala ein Plus für besser, ein Minus für schlechter und ein S für gleich, jeweils im Vergleich zum Bezugspunkt.

Ein Bild aus dem Alltag: Beim Kauf einer neuen Waschmaschine vergleichst du sie mit deiner alten. Leiser? Plus. Gleich viel Fassungsvermögen? S. Teurer im Verbrauch? Minus. Du musst nicht wissen, wie viele Punkte „leiser“ wert ist.

Dennis nimmt den bisherigen Lieferanten als Bezugspunkt. Er legt sechs Kriterien fest: Preis je Palette, Lieferzeit, Torfanteil, Mindestabnahme, recycelbare Verpackung und Zahlungsziel. Jede Zelle beantwortet eine einzige Frage: Ist dieser Anbieter bei diesem Kriterium besser, gleich oder schlechter als der bisherige?

MerksatzEin guter Bezugspunkt macht die Matrix einfach. Du vergleichst immer nur zwei Dinge.

Wie sieht eine Entscheidungsmatrix im Beispiel aus?

Das Ergebnis passt auf eine halbe Seite. Unten zählt Dennis Plus und Minus.

Ausfüllbare Entscheidungsmatrix

KriteriumAnbieter AAnbieter BAnbieter C
Preis je Palette++−
Lieferzeit−+S
Torfanteil+−+
MindestabnahmeS−+
Recycelbare Verpackung+S+
ZahlungszielSS−
Anzahl Plus323
Anzahl Minus122
Saldo+20+1

Lege eine Tabelle an, Kriterien in Zeilen, Optionen in Spalten. Trage Plus, S oder Minus im Vergleich zur heutigen Lösung ein und zähle unten.

Anbieter A liegt vorn, mit seinem einzigen Minus bei der Lieferzeit.

Bezugspunkt: bisheriger Lieferant. Werte frei gewählt zur Veranschaulichung.

Anbieter A hat den besten Saldo. Dennis schaut trotzdem auf die Zeilen. Das Minus von A steht bei der Lieferzeit. Kommt die Erde erst im April, ist die Saison halb vorbei. Ist die Lieferzeit wichtiger als alle anderen Kriterien zusammen, verliert der Saldo seine Aussagekraft.

Hier zeigt die Matrix ihren Nutzen: Sie macht sichtbar, an welchem Kriterium die Entscheidung hängt. Dennis fragt bei Anbieter A nach, ob eine Lieferung bis Mitte Februar möglich ist. Gelingt das, wird aus dem Minus ein S.

MerksatzZähle zuerst, dann lies die Zeilen. Ein einziges Minus am falschen Ort kann alle Plus aufwiegen.

Wann ist die Nutzwertanalyse die bessere Wahl?

Die Nutzwertanalyse ist besser, wenn die Kriterien unterschiedlich wichtig sind und du die Gewichtung offen auf den Tisch legen willst. Die Entscheidungsmatrix behandelt jedes Kriterium gleich. Das geht schnell und ist manchmal zu grob.

Matrix oder Nutzwertanalyse?

FrageWenn jaWenn nein
Sind einzelne Kriterien deutlich wichtiger als andere?NutzwertanalyseEntscheidungsmatrix reicht
Müssen andere die Abwägung nachvollziehen können, etwa ein Gremium?Nutzwertanalyse mit dokumentierten GewichtenEntscheidungsmatrix reicht
Liegen die Optionen in der Matrix eng beieinander?Nutzwertanalyse oder Gespräch über das kippende KriteriumEntscheidungsmatrix reicht
Hast du weniger als eine Stunde?Entscheidungsmatrixbeides möglich
Je unterschiedlicher die Kriterien wiegen, desto eher lohnt die Gewichtung.

Die Entscheidungshilfe ist ein Arbeitsmodell von T1Leaders.

Für Dennis lautet die Antwort: Erst die Matrix, dann ein Anruf bei Anbieter A. Kann A rechtzeitig liefern, ist die Lage klar. Kann A es nicht, stehen A und C eng beieinander. Dann lohnt sich eine Nutzwertanalyse mit der Lieferzeit als schwerstem Kriterium.

Was ändert sich, wenn du gewichtest?

Manche nennen auch eine gewichtete Tabelle Entscheidungsmatrix. Auf T1Leaders meint Entscheidungsmatrix den ungewichteten Vergleich. Sobald du gewichtest, arbeitest du mit der Logik der Nutzwertanalyse.

Die gewichtete Form trennt zwei Urteile, die ein Bauchurteil vermischt: Was zählt wie viel, und wie gut erfüllt jede Option jedes Kriterium?

Zwei getrennte Urteile ergeben die Rangfolge, die Kippschwelle prüft sie

  1. Muss-Filter

    K.o.-Kriterien filtern, sie werden nicht gewichtet.

  2. Gewichte

    100 Punkte verteilen, bevor bewertet wird.

  3. Bewertungen

    1 bis 10 je Option und Kriterium.

  4. Rechnung

    Gewicht × Bewertung, Summe je Option.

  5. Rangfolge

    Gesamtwert und Abstand von Platz 1 zu 2.

  6. Kippschwelle

    Ab welchem Gewicht wechselt Platz 1?

    Schleife: Gewicht strittig: zurück zu Schritt 2

Gewichte werden vor den Bewertungen festgelegt. Liegt eine Kippschwelle nah am heutigen Gewicht, wird genau dieses Gewicht offen diskutiert.

Die Rechnung heißt in der Fachliteratur Weighted Sum Model. Sie setzt voraus, dass alle Bewertungen auf derselben Skala stehen. Euro, Kilometer und Schulnoten lassen sich nicht direkt addieren.

Der Nutzen liegt im Weg zur Summe. Wer Gewichte offenlegen muss, kann nicht verdeckt mit seinem Lieblingskriterium argumentieren. Die Schwäche sitzt an derselben Stelle, denn Gewichte sind Einschätzungen.

Deshalb gehört zur gewichteten Matrix die Frage, wie weit sich ein Gewicht verschieben darf, bevor eine andere Option vorne liegt.

Wie findest du die Kippschwelle?

Die Prüfung folgt der Sensitivitätsanalyse in der Multikriterienforschung. Ein Kriterium ist kritisch, wenn schon eine kleine Änderung seines Gewichts die Rangfolge ändert (Übersicht mit Verweis auf Triantaphyllou und Sánchez 1997). Das muss nicht das Kriterium mit dem höchsten Gewicht sein.

  • Kippschwelle: Verändere ein Gewicht schrittweise von 0 bis 100 und passe die übrigen anteilig an. Der erste Wert, an dem eine andere Option vorne liegt, ist die Kippschwelle.
  • Paarverschiebung: Prüfe, wie viele Punkte zwischen zwei Kriterien wandern müssen, damit der Sieger wechselt. Das entspricht dem Gespräch im Raum: „Das Personal ist 5 Punkte wichtiger als die Miete.“

45 von 75 Minuten vergehen, bevor eine Option bewertet wird

  1. Entscheidung formulieren

    Was wird entschieden, bis wann, mit welchem Budget?

    Zeit: 5 Minuten

  2. Muss-Kriterien filtern

    Nicht Verhandelbares wird zum Ja-Nein-Filter.

    Zeit: 10 Minuten

  3. Wunsch-Kriterien sammeln

    Höchstens sechs bis acht, ohne Doppelungen, je mit Messvorschrift.

    Zeit: 15 Minuten

  4. Gewichten mit Spannweite

    100 Punkte verteilen. Wo sich alle Optionen gleichen, wenig Gewicht.

    Zeit: 15 Minuten

  5. Verdeckt bewerten

    Erst verdeckt, dann Abweichungen über 3 Punkte besprechen.

    Zeit: 15 Minuten, Ergänzung von T1Leaders

  6. Rechnen, Kippschwellen

    Je Kriterium: Ab welchem Gewicht liegt eine andere Option vorne?

    Zeit: 10 Minuten, Ergänzung von T1Leaders

  7. Prüfen und entscheiden

    Widerspricht das Ergebnis dem Bauchgefühl, fehlt ein Kriterium oder stimmt ein Gewicht nicht?

    Zeit: 5 Minuten

Für drei bis fünf Optionen und vier bis acht Personen mit einer Moderation, Richtwert 60 bis 90 Minuten. Muss-Filter und Gewichtung nach Kepner-Tregoe, Spannweite aus der Swing-Weight-Methode. Zeiten, Schritt 5 und 6: Ergänzung von T1Leaders.

Diese Reihenfolge schützt davor, Gewichte passend zum Wunschergebnis zu wählen. Moderationsregel: Wer nach dem Rechnen ein Gewicht ändern will, nennt den Grund laut. Paarvergleich, Notenanker und Rechner findest du bei der Nutzwertanalyse.

Beispiel: Wann kippt die gewichtete Matrix?

Ein Kontraktlogistiker mit 900 Beschäftigten braucht ein Regionallager für den Handel in Süddeutschland: rund 25.000 Quadratmeter Halle, Inbetriebnahme in 14 Monaten. Sechs Personen aus Geschäftsführung, Netzwerkplanung, Personal, Controlling, Niederlassung und Schichtbetrieb bewerten in 80 Minuten.

Zwei Muss-Kriterien filtern vorab: Betrieb rund um die Uhr und mindestens 20.000 Quadratmeter bis zur Inbetriebnahme. Der günstigste von vier Standorten grenzt an ein Wohngebiet und scheidet aus. Es bleiben Nord am Autobahnkreuz, Ost am Stadtrand und Süd im Gewerbepark.

KriteriumGewichtNordOstSüd
Verkehrsanbindung und Transportkosten309 (270)6 (180)7 (210)
Verfügbarkeit von Personal254 (100)9 (225)6 (150)
Miete und Betriebskosten206 (120)7 (140)5 (100)
Erweiterungsfläche158 (120)4 (60)7 (105)
Zeit bis Inbetriebnahme107 (70)6 (60)5 (50)
Gesamtwert100680665615

Gewichte in Punkten von 100, Bewertung 1 bis 10, in Klammern der Beitrag aus Gewicht mal Bewertung.

Nord liegt vorne, Süd ist klar dritter. Mit gleichen Gewichten für alle fünf Kriterien wäre der Abstand sogar größer: Nord 680, Ost 640, Süd 600. Im Raum herrscht Zustimmung.

Dann zeigt die Sensitivitätsprüfung, wie dünn der Vorsprung ist. Verschiebt das Team nur 2 Punkte von der Verkehrsanbindung zum Personal, liegt Ost vorne, 671 gegen 670. Auch eine einzige Bewertung reicht: Sinkt die Personalnote für Nord von 4 auf 3, gewinnt Ost mit 665 gegen 655.

KriteriumGewicht heuteNord bleibt vorne, solange das Gewicht …Danach führt
Verfügbarkeit von Personal25unter 27,2 liegtOst
Verkehrsanbindung und Transportkosten30über 26,3 liegtOst
Erweiterungsfläche15mindestens 11,7 beträgtOst
Miete und Betriebskosten20höchstens 30,4 beträgtOst
Zeit bis Inbetriebnahme10beliebig ist (0 bis 100)kein Wechsel

Je Zeile ändert sich ein Gewicht, die übrigen werden anteilig angepasst, damit die Summe 100 bleibt.

Der Schichtleiter dreht die Diskussion: Am Autobahnkreuz konkurrieren fünf große Lager um dieselben Lagerkräfte. Die Note 4 für Nord sei eher optimistisch.

Die Geschäftsführung vertagt um zwei Wochen. Der Leiter Personal prüft die Personalnoten mit Daten der Arbeitsagentur und zwei Angeboten von Personaldienstleistern. Nord hält die 4, aber nur mit Schichtzulage. Die Wahl fällt auf Nord, mit Zulagenbudget und Ost als dokumentierter Rückfalloption.

Was die Matrix hier nicht geleistet hat: Sie rechnet in Punkten. Ob die Schichtzulage den Transportvorteil von Nord über zehn Jahre aufzehrt, beantwortet eine Investitionsrechnung. Zukunftsfragen wie eine steigende Lkw-Maut prüfen eine Szenarioanalyse und ein Pre-Mortem für den gewählten Standort.

Beispiel frei erfunden, Zahlen zur Veranschaulichung.

MerksatzEin knapper Vorsprung ist keine Antwort. Er zeigt, über welches Gewicht die Runde wirklich sprechen muss.

Wann passt die Entscheidungsmatrix, und wann nicht?

SituationEignungBegründung
Standort, Lieferant, Softwareauswahl mit 3 bis 6 Optionensehr gutOptionen und Kriterien lassen sich klar beschreiben
Besetzung einer Schlüsselrolle mit mehreren KandidatengutKepner-Tregoe nutzt das Verfahren für die Personalauswahl. Leg Kriterien und Gewichte vor den Gesprächen fest.
Gremium mit widerstreitenden InteressengutMacht sichtbar, ob der Streit über Gewichte oder über Fakten geht
Investition, bei der der Geldwert dominiertschwachEine Investitionsrechnung in Euro ist genauer
Entscheidung unter großer Unsicherheit über die Zukunftschwach alleinMit Szenarioanalyse kombinieren, sonst rechnet die Matrix mit einer einzigen Zukunft
Akute Lage mit Minuten VorlaufungeeignetKeine Zeit für Kriterien und Gewichte. Hier helfen eingeübte Abläufe wie der OODA-Loop.
Optionen noch unklar oder erst zu entwickelnungeeignetDie Matrix vergleicht, sie erzeugt keine Optionen
Ethische GrundsatzfrageungeeignetWerte lassen sich nicht sinnvoll gegeneinander verrechnen

MerksatzEinigt sich dein Team schnell auf eine Option, brauchst du keine Matrix. Sie lohnt sich, wenn die Runde uneins ist oder die Entscheidung später begründet werden muss.

Woher kommt die Entscheidungsmatrix?

Die Entscheidungsmatrix hat keinen einzelnen Erfinder. Sie ist eine Praktikerform des additiven Bewertungsmodells, das in Managementtrainings, Ingenieurwesen und Entscheidungsforschung parallel entstand.

JahrWasBedeutung
1772Benjamin Franklin beschreibt Joseph Priestley in einem Brief vom 19. September seine „Moral or Prudential Algebra“Frühe Form: Gründe gewichten und gegeneinander aufrechnen
1958Charles Kepner und Benjamin Tregoe, beide zuvor bei der RAND Corporation, gründen Kepner-TregoeGewichtete Bewertung wird Teil von Managementtrainings
1970Christof Zangemeister legt seine Dissertation „Nutzwertanalyse in der Systemtechnik“ an der TU Berlin vorTheoretisch ausgebaute Form im deutschsprachigen Raum
1979Robyn Dawes zeigt, dass einfache Gewichte bei Prognosen oft fast so gut abschneiden wie optimierteZentraler Befund zur Rolle der Gewichte
1981Stuart Pugh stellt auf der International Conference on Engineering Design „Concept Selection“ vorVergleich gegen eine Referenzlösung, ohne Gewichte
2009Parnell und Trainor beschreiben die Swing-Weight-MatrixGewichte aus Bedeutung und Spannweite der Optionen

Franklin empfahl, Gründe über mehrere Tage in zwei Spalten zu sammeln und gleich schwere gegeneinander zu streichen. Er schrieb selbst, dass sich Gründe nicht mit algebraischer Präzision wiegen lassen.

Kepner und Tregoe trennten Muss-Kriterien als Filter von Wunsch-Kriterien. Nur die Wunsch-Kriterien werden gewichtet, in Kursnotizen der Virginia Tech von 1 bis 10. Danach prüft das Verfahren die negativen Folgen der führenden Optionen. Mehr unter Kepner-Tregoe.

Pughs Verfahren arbeitet ohne Gewichte und läuft in mehreren Runden, mit einem der stärkeren Konzepte als neuer Referenz (Institute for Manufacturing, Cambridge).

Was sagt die Forschung zur Entscheidungsmatrix?

Studien, die belegen, dass Managemententscheidungen mit Matrix bessere Ergebnisse bringen als ohne, gibt es kaum. Belegt sind zwei Dinge über die Gewichte selbst. Beide sprechen für Bescheidenheit.

Typische Fehler

Wann führt die Entscheidungsmatrix in die Irre?

Die meisten Fehler entstehen bei Gewichten und Kriterien, selten in der Rechnung.

  • Gleiche Gewichte, die es nicht gibt: Die Matrix tut so, als sei „Zahlungsziel“ so wichtig wie „Lieferzeit“. Prüfe nach dem Zählen, ob das stimmt.
  • Gewicht ohne Spannweite: Ein Kriterium wird hoch gewichtet, obwohl sich die Optionen darin kaum unterscheiden.
  • Schwacher Bezugspunkt: Ist die heutige Lösung sehr schlecht, sieht jede Option gut aus. Nimm dann die beste bekannte Option als Bezugspunkt.
  • Doppelte Kriterien: „Miete“, „Nebenkosten“ und „Gesamtkosten“ zählen dasselbe dreifach.
  • Äpfel plus Birnen: Euro, Kilometer und Noten werden ohne gemeinsame Skala addiert.
  • Muss-Kriterien in der Matrix: Was eine Option ausschließt, gehört vor die Matrix. Sonst gleicht sie den K.o.-Punkt mit guten Werten anderswo aus.
  • Scheingenauigkeit: 680 gegen 665 ist bei geschätzten Werten kein Unterschied, solange die Sensitivitätsprüfung nichts anderes zeigt.
  • Die Matrix als Entscheider: Das Team übernimmt die höchste Zahl trotz Unbehagen. Ein Widerspruch zum Bauchgefühl deutet auf ein fehlendes Kriterium oder ein falsches Gewicht.
  • Organisationale Grenze: die gefärbte Matrix. In manchen Teams werden so lange Kriterien ergänzt oder Gewichte verschoben, bis der Favorit vorn liegt. Schutz im Prozess: Kriterien und Gewichte vor dem Blick auf die Angebote festlegen und schriftlich festhalten. Eine zweite Person füllt die Matrix unabhängig aus, danach werden die Abweichungen besprochen.

Gegenmittel

So nutzt du die Matrix richtig

  1. Entscheidung in einem Satz formulieren: Was wird entschieden, bis wann, mit welchem Budget?
  2. Muss-Kriterien zuerst: Optionen aussortieren, die eine harte Bedingung nicht erfüllen.
  3. Bezugspunkt wählen: meist die heutige Lösung oder die beste bekannte Option.
  4. Kriterien vor den Angeboten festlegen, auf Überschneidungen prüfen und jedem eine Messvorschrift geben.
  5. Zählen, dann die Zeilen lesen: Wo stehen die Minus? Wiegen sie schwerer als die Plus?
  6. Bei knappem Ergebnis wechseln: zur Nutzwertanalyse mit Kippschwellentest oder zu einem Gespräch über das kippende Kriterium. Für zwei Optionen reicht oft eine Pro-und-Contra-Liste.

Wie unterscheidet sich die Entscheidungsmatrix von verwandten Methoden?

Die Entscheidungsmatrix vergleicht bekannte Optionen in einer Sitzung. Andere Methoden gewichten ausführlicher oder prüfen Risiken, Zukunftsbilder und Abfolgen.

MethodeLeitfrageUnterschied zur Entscheidungsmatrix
NutzwertanalyseWelchen Nutzwert hat jede Option bei unterschiedlich wichtigen Kriterien?Gewichtet die Kriterien und rechnet einen Nutzwert. In der ausgebauten Form arbeitet sie mit Zielhierarchie und Umrechnungsfunktionen für unterschiedliche Messgrößen.
Kepner-Tregoe-Methode: Ablauf mit BeispielWelche Option erfüllt alle Muss-Kriterien und die Wunsch-Kriterien am besten?Trennt Muss und Wunsch, gewichtet die Wunsch-Kriterien und prüft danach die negativen Folgen der führenden Optionen
Pre-Mortem: Risiken finden, bevor sie eintretenWarum ist die gewählte Option gescheitert?Prüft die Siegeroption auf Ausfallursachen. Die Matrix wählt sie aus.
Szenarioanalyse und Szenarioplanung: Optionen über mehrere Zukünfte prüfenWie schneiden die Optionen in verschiedenen Zukunftsbildern ab?Die Matrix rechnet mit einer Zukunft. Mit Szenarien lässt sie sich je Szenario wiederholen.
Entscheidungsbaum erstellen: Beispiel und ToolWelche Folgeentscheidungen und Wahrscheinlichkeiten hängen an jeder Option?Bildet Abfolgen und Wahrscheinlichkeiten ab, die Matrix nur einen Zeitpunkt
Asymmetrische Chancen-Risiko-Bewertung: Entscheiden nach der Form von Gewinn und VerlustWie verhalten sich möglicher Gewinn und möglicher Verlust?Fragt nach Extremen. Die Matrix verrechnet alles zu einer Durchschnittssumme.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Dein Team wählt einen neuen Dienstleister für die Gebäudereinigung. Vier Kriterien: Preis, Zuverlässigkeit, Umweltzeichen, Kündigungsfrist. Die Geschäftsführung sagt: „Zuverlässigkeit ist wichtiger als alles andere zusammen.“ Welches Werkzeug nimmst du?

    1. AEine ungewichtete Entscheidungsmatrix, weil sie schneller ist.
    2. BZuverlässigkeit als Muss-Kriterium mit klarer Mindestanforderung vorschalten und die übrigen drei Kriterien in einer einfachen Matrix vergleichen.
    3. CWeitere Kriterien sammeln, damit die Matrix aussagekräftiger wird.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A behandelt Zuverlässigkeit wie die anderen Kriterien, obwohl sie viel schwerer wiegt. Antwort C verwässert die Abwägung. Antwort B nimmt die Aussage der Geschäftsführung ernst. Lässt sich keine klare Mindestanforderung formulieren, ist die Nutzwertanalyse mit hohem Gewicht für Zuverlässigkeit der nächste Schritt.

Häufige Fragen

Gibt es eine Vorlage für die Entscheidungsmatrix?

Die Tabelle auf dieser Seite ist die Vorlage: Kriterien in Zeilen, Optionen in Spalten, ganz unten Plus, Minus und Saldo. Notiere über der Tabelle den Bezugspunkt, damit klar ist, womit verglichen wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Entscheidungsmatrix und Nutzwertanalyse?

Die Entscheidungsmatrix vergleicht ohne Gewichtung, oft nur mit besser, gleich und schlechter. Die Nutzwertanalyse gewichtet die Kriterien, vergibt Noten und rechnet einen Nutzwert aus. Die Matrix ist schneller, die Nutzwertanalyse genauer, wenn Kriterien unterschiedlich wichtig sind.

Was ist eine gewichtete Entscheidungsmatrix?

Eine Matrix, in der jedes Kriterium ein Gewicht bekommt und jede Option eine Bewertung, etwa von 1 bis 10. Die Summe aus Gewicht mal Bewertung ergibt die Rangfolge. Auf T1Leaders heißt diese Form Nutzwertanalyse.

Wie viele Kriterien gehören in eine Entscheidungsmatrix?

Höchstens sechs bis acht Kriterien. Mehr Kriterien machen die Matrix nicht genauer, weil jedes einzelne dann weniger zählt und sich Überschneidungen häufen. Frage bei jedem Kriterium: Würde sich meine Wahl ändern, wenn es fehlt?

Ist die Entscheidungsmatrix dasselbe wie die Eisenhower-Matrix?

Nein. Die Eisenhower-Matrix sortiert Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit. Sie hilft bei Prioritäten im Alltag. Für den Vergleich von Optionen eignet sie sich kaum. Mehr dazu auf der Seite Eisenhower-Matrix.

Quellen

  1. Franklin, B. (1772): From Benjamin Franklin to Joseph Priestley, 19 September 1772. Founders Online, National Archives: founders.archives.gov
  2. Kepner, C. H. und Tregoe, B. B. (1965): The Rational Manager. McGraw-Hill. Jahr und Gründung 1958 zitiert nach Wikipedia: Benjamin Tregoe
  3. Kepner-Tregoe: Improve Hiring Success with Kepner-Tregoe Decision Analysis. Muss- und Wunsch-Kriterien, Folgenbewertung: kepner-tregoe.com
  4. Virginia Tech, Department of Computer Science: Kursnotizen zur Kepner-Tregoe-Entscheidungsanalyse, Gewichtung und Bewertung von 1 bis 10: courses.cs.vt.edu
  5. Zangemeister, C. (1970): Nutzwertanalyse in der Systemtechnik. Dissertation, TU Berlin. Zitiert nach Wikipedia: Nutzwertanalyse
  6. Dawes, R. M. (1979): The Robust Beauty of Improper Linear Models in Decision Making. American Psychologist, 34(7), 571 bis 582: cmu.edu
  7. Pugh, S. (1981): Concept Selection: A Method that Works. In: Hubka, V. (Hrsg.): Review of Design Methodology, ICED Rom. Zitiert nach Wikipedia: Stuart Pugh
  8. Pugh, S. (1991): Total Design: Integrated Methods for Successful Product Engineering.
  9. Institute for Manufacturing, Universität Cambridge: Controlled Convergence, Ablauf der Pugh-Methode: ifm.eng.cam.ac.uk
  10. Umbrex, Pugh Matrix, Überblick zu Herkunft und Anwendung: umbrex.com
  11. Keeney, R. L. (2002): Common Mistakes in Making Value Trade-Offs. Operations Research, 50(6), 935 bis 945: ideas.repec.org
  12. Keeney, R. L. (1992): Value-Focused Thinking. Harvard University Press. Aussage zum häufigsten kritischen Fehler (S. 147) zitiert nach Baron.
  13. Baron, J.: Range effects in attribute weighting. University of Pennsylvania: sas.upenn.edu
  14. Parnell, G. S. und Trainor, T. E. (2009): Using the Swing Weight Matrix to Weight Multiple Objectives. INCOSE International Symposium: web.mst.edu
  15. Triantaphyllou, E. und Sánchez, A. (1997): A Sensitivity Analysis Approach for Some Deterministic Multi-Criteria Decision-Making Methods. Decision Sciences, 28(1). Zitiert nach Wikipedia: Applications of sensitivity analysis to multi-criteria decision making
  16. Wikipedia: Weighted sum model, Formel und Voraussetzung gleicher Einheiten: en.wikipedia.org

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